»Im goldenen Schnitt« – Die AGiSA besucht Hannover

Abb. 1: "Großer Bahnhof". Herr Kluge empfängt die AGiSA in Hannover (Foto: F. Gall).

Abb. 1: „Großer Bahnhof“. Herr Kluge empfängt die AGiSA in Hannover (Foto: F. Gall).

Sonntag, 23.02.2014: Am späten Vormittag fand sich bei strahlendem Sonnenschein die überraschende Zahl von 38 Teilnehmern „unterm Schwanz“ zusammen, um Hannover und einer Sonderausstellung im Niedersächsischen Landesmuseum einen Besuch abzustatten. Dabei war das Reiterstandbild Ernst-August I. vor dem stadtseitigen Ausgang des imposanten Hauptbahnhofgebäudes gleich die erste Attraktivität des Besuches (Abb. 1). AGiSA-Mitglied Frau Kluge und ihr Mann nahmen die Gruppe in Empfang und starteten sogleich den Rundgang durch die City der niedersäschischen Landeshauptstadt. An Stationen wie dem Opernhaus, dem Leineschloss (heutiger Landtag) und dem Wangenheim-Palais, alle gebaut vom allgegenwärtigen Architekten Laves (nachnapoeonische Zeit bis 1850), der Kröpke-Uhr sowie dem Denkmal der »Göttinger Sieben« (Diese sieben Herren Professoren, zwei davon übrigens die Brüder Grimm, wurden 1837 des Landes verwiesen, da sie die alte liberale Verfassung von 1832 erhalten wollten.) – überzeugte Herr Kluge die Zuhörerschar davon, dass Hannover entgegen seines Rufs alles andere als einen spröden Charme besitzt. Trotz starker Kriegszerstörungen öffneten sich im Stadtbild zahlreiche Fenster in die Vergangenheit.
Abb. 2: Hannover im Stadtmodell von 1689 (Foto: F. Gall).

Abb. 2: Hannover im Stadtmodell von 1689 (Foto: F. Gall).

Das imposante Gebäude des Neuen Rathauses von 1913 beeindruckte nicht nur durch seine Größe. In dessen Foyer scharte sich die Gruppe um die öffentlich zugänglichen vier Stadtmodelle, welche die Stadtentwicklung gleichsam als Momentaufnahmen illustrieren. Im Gegensatz zur heutigen Parzellenstruktur wirkte das Weichbild von 1689 (Abb. 2) geradezu dörflich.
Das Landesmuseum war nun nur noch einen Katzensprung entfernt und schon von Weitem kündete ein Werbebanner von der Sonderausstellung. Im Hause erwartete Frau Dr. Babette Ludowici, Mitarbeiterin des Landesmuseums und Kuratorin der Schau, die Gruppe. Vor einer großdimensionierten Landkarte erklärte Frau Dr. Ludowici die Bedeutung der Nordeuropäischen Ergasleitung, die Niedersachsen auf rund 200 Kilometern durchzieht und Erdgas aus Russland transportiert (Abb. 3). Der Bau dieser Leitung bedeutete eines der größten archäologischen Ausgrabungsprojekte in Niedersachsen.
Abb. 3: Anschaulich. Frau Dr. Ludowici erklärt die Karte der NEL (Foto: F. Gall).

Abb. 3: Anschaulich. Frau Dr. Ludowici erklärt die Karte der NEL (Foto: F. Gall).

Dabei wurden auf rund 150 archäologischen Fundstellen 11000 Jahre niedersächsischer Geschichte dokumentiert – ein wahrhaft „Goldener Schnitt“ durch die Landschaft. Den Höhepunkt der Ausstellung bildete der ca. 1,7 kg schwere Goldhort von Gessel aus dem Landkreis Diepholz, der im 14. vorchristlichen Jahrhundert im Boden verborgen wurde. Erste Analysen der 117 Einzelteile des bronzezeitlichen Fundes zeigen, dass das verarbeitete Gold möglicherweise aus Zentralasien stammte. Im Museum wurde der Goldhort im Kontext mehrerer anderer bedeutender Edelmetall-Horte gezeigt, die auf dem Gebiet des heutigen Landes Niedersachsen gefunden worden sind. So waren beispielsweise die völkerwanderungszeitlichen Goldbrakteaten von Nebenstedt (Hannoversches Wendland) und der kaum ältere Ringhort von Lengerich zu sehen.

Text: Dr. F. Gall

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