Bronzezeit in der Altmark, dem Wendland und der Lüneburger Heide

Abb. 1: Ulrich Kalmbach führt die Gruppe durch das Danneil-Museum Salzwedel (Foto: M. Poppe).

Abb. 1: Ulrich Kalmbach führt die Gruppe durch das Danneil-Museum Salzwedel (Foto: M. Poppe).

Ziele der Wochenendexkursion 2012 waren das Johann Friedrich Danneil-Museum in Salzwedel, das Hannoversche Wendland und die Lüneburger Heide in der Umgebung von Uelzen. Vom 20. bis 22. Juli 2012 waren 44 Interessierte der Archäologischen Gesellschaften von Sachsen-Anhalt und Thüringen unterwegs.
Am Freitag empfingen uns zunächst der Museumsleiter Ulrich Kalmbach und dessen Mitarbeiter Lothar Mittag im Danneil-Museum Salzwedel (Abb. 1). Im Mittelpunkt stand eine Führung durch die aktuelle Sonderausstellung zur Bronzezeit in der Altmark. Die inhaltlich und gestalterisch sehr überzeugende Ausstellung gab den Teilnehmern der Exkursion eine Grundlage zur Kenntnis der materiellen Hinterlassenschaften der Bronzezeit.
Abb. 2: Rekonstruiertes Langhaus im Archäologischen Zentrum Hitzacker (Foto: U. Tichatschke).

Abb. 2: Rekonstruiertes Langhaus im Archäologischen Zentrum Hitzacker (Foto: U. Tichatschke).

In die Lebenswelt der Bronzezeit tauchten wir dann im Archäologischen Zentrum Hitzacker – Deutschlands erstes bronzezeitliches Freilichtmuseum (kurz: AZH) – ein. Ulrike Braun (Leiterin des AZH) und Kai Martens (Mitarbeiter des AZH) gaben Einblicke in die Lebensumstände und -grundlagen der Menschen vor ca. 4000 Jahren aber auch in die Arbeitsweisen und den Arbeitsalltag im Freilichtmuseum (Abb. 2).

Am Samstag begleitete uns Frau Braun gleichermaßen kompetent wie charmant auf der Fahrt durch das Hannoversche Wendland. Angefangen mit einer erdgeschichtlichen Einführung (Findlingspark Clenze) über eine Kapelle aus dem 12. Jahrhundert (Spithal) bis hin zu einem rezenten Rundlingsdorf (Satemin) bot der Vormittag auch viel Wissenswertes über die Landschaftsgenese und die aktuelle Situation des Landkreises Lüchow-Dannenberg (mit dem Problem des Atommüll-Endlagers in Gorleben) und dessen Bewohner. Die renaissancezeitliche Kapelle in Breese im Bruche beeindruckte durch den Bilderreichtum und die kunsthistorisch hochinteressanten Details, die uns die Küsterin Frau Hinkelmann erläuterte. Auf der Fahrt zu den neolithischen Großsteingräbern bei Barskamp zeigte uns der Schälchenstein von Drenthe die Grenzen der archäologischen Forschung auf: die Spekulationen über die Funktion und das Alter der Steine regte nicht nur die Exkursionsteilnehmer zu intensiven Diskussionen an. In Barskamp beeindruckte neben der steinzeitlichen Grabarchitektur vor allem der Bezug vorgeschichtlicher Monumente im aktuellen Leben von Menschen, die hier Spiritualität finden. Zum Abschluss des Exkursionstages schauten wir vom Weinberg in Hitzacker in das landschaftlich wunderschöne Urstromtal der Elbe und erfuhren dort einiges über die slawische Besiedlung der Anhöhe sowie über die Hochwasserproblematik in Hitzacker.

Abb. 3: Gruppenbild bei den neolithischen Großsteingräbern von Barskamp (Foto: M. Poppe).

Abb. 3: Gruppenbild bei den neolithischen Großsteingräbern von Barskamp (Foto: M. Poppe).

Mit dem Kreis- und Stadtarchäologen von Uelzen, Dr. Fred Mahler, trafen wir uns am Sonntag bei den Königsgräbern von Haaßel. Er zeigte diese neolithischen Großsteingräber exemplarisch für die ursprünglich enorm hohe Dichte dieser Grabanlagen in der Umgebung von Uelzen. Viele fielen dem Kirchenbau oder Feldbereinigungen zum Opfer. Die nächste Station war ein bronzezeitliches Hügelgräberfeld in der Klein Bünstorfer Heide. Hier betonte Herr Dr. Mahler die forschungsgeschichtliche Bedeutung des Prähistorikers Prof. Gustav Schwantes, der weit über die Region hinaus die prähistorische Forschung wesentlich mitbestimmte. Auf der Basis der Fundinventare von Urnenfriedhöfen bei Jastorf, Ripdorf, Seedorf und Wessenstedt (alle Ldkr. Uelzen) entwickelte er die heute noch in weiten Teilen gültige Chronologie der vorrömischen Eisenzeit. Das Gräberfeld von Jastorf sahen wir im Anschluss von der Straße aus. Die Mittagspause verbrachten wir auf dem Areal der romanischen Feldsteinbasilika von Uelzen Oldenstadt, das als Keimzelle der heutigen Stadt Uelzen gilt. Zum Abschluss besuchten wir im Ortteil Veerßen die Burganlage Ottoburg, deren Verteidigungsgräben noch heute eindrucksvoll zu sehen sind.
Von hieraus traten wir (Abb. 3) die Heimfahrt nach Magdeburg, Halle und Weimar an.

Text: Dr. R. Wiermann

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