Besuch der Forschungs- und Lehrgrabung „Bornhöck“

Abb. 1: Grabungsleiter Torsten Schunke erläutert den Aufbau des Grabhügels.

Am 29.08.2017 besuchten wir bei warmem Sommerwetter die Grabung am „Bornhöck“. Der frühbronzezeitliche Grabhügel „Bornhöck“ wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jh. weitgehend abgetragen. Lange Zeit in Vergessenheit geraten, wurde der Standort vor einigen Jahren im Luftbild wiederentdeckt und seit 2014 werden Teilflächen des Grabhügels ausgegraben. Wie in den Vorjahren führte uns auch in diesem Jahr Leiter der Ausgrabungen Torsten Schunke als Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt über die Grabung (Abb. 1).

Abb. 2: Unter der einst mächtigen Hügelschüttung haben sich bis heute die etwa 3800 Jahre alten Fahrspuren erhalten.

Es war beeindruckend, mit eigenen Füßen auf dem frühbronzezeitlichen Laufhorizont zu stehen, der durch die mächtige Hügelschüttung hervorragend konserviert wurde. Wir hatten großes Glück, denn wir standen auf einer nach vorausgegangenen Regenfällen frisch geputzten Oberfläche, die viele Einzelheiten besonders gut erkennen ließ.  So zeichneten sich die Wagenspuren, durch unzählige Fuhren zur Anlieferung des Materials für den Steinkern des Grabhügels in den Untergrund eingedrückt, deutlich ab (Abb. 2). Sie konnten exakt freigelegt werden, weil kurz nach Abschluß der Arbeiten vor nahezu 4.000 Jahren ein Sediment mit differierender Färbung die damalige Oberfläche praktisch nachzeichnete. So konnte als tagesfrische Erkenntnis auch die Breite des Radstandes der frühbronzezeitlichen Wagen weiter präzisiert werden, und zwar auf 1,15 bis 1,18 m. Die gute Erhaltung der Oberfläche läßt darauf schließen, daß unmittelbar nach Fertigstellung des Steinkernes und der Grabkammer mit der Aufschüttung des Hügels begonnen wurde. Reste dieser Hügelschüttung sind es, die den darunterliegenden Bodenhorizont vor der Zerstörung durch den Pflug bis heute geschützt haben. Gut erkennbar waren im Bereich des Steinkernes auch helle Stellen in dem sonst dunkleren Boden, die als Abdrücke von im 19. Jahrhundert nach Abtrag des Grabhügels zum Straßenbau entnommenen Steinmaterials aufzufassen sind.

Abb. 3: Anhand der aufgestellten Holzbohlen wird das Ausmaß der ehemaligen Grabkammer deutlich.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit der diesjährigen Kampagne stand der Innenbereich des Hügels mit der Grabkammer, die in diesem Jahr erstmals genauer untersucht wurde (Abb. 3). Mit einer Größe von ca. 5 x 3 m ist sie größer als die der sogenannten Fürstengräber Helmsdorf (Landkreis Mansfeld-Südharz) und Leubingen (Landkreis Sömmerda, Thüringen). Im Befund zeigte uns Herr Schunke die Widerlager für die mächtigen Eichenbohlen, die in doppelter Lagerung die Grabkammer bildeten. Überraschend wurden auch drei Pfostenstellungen unterhalb der ehemaligen Firstlinie gefunden.

Neben den kaum vorstellbaren Ausmaßen der Hügelschüttung ist dem Bornhöck durch die Menge der bisher ergrabenen Funde ein weiterer Superlativ hinzuzufügen. So wurde die Zahl der Funde von 10.000 in diesem Sommer bereits überschritten. Bis zum Abschluss der Grabung im September ist sicher noch mit weiteren spannenden Befunden und Erkenntnissen zu rechnen.

Für die energiegeladene, begeisternde und erkenntnisreiche Führung im Anschluss an einen langen sonnenreichen Arbeitstag möchten wir uns bei Herrn Schunke ganz herzlich bedanken.

Text und Fotos: Anna Weide

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