Der Nordrand des Harzes – Altwege, Grenzen und Kultstein

Abb. 1: Udo Münnich begrüßt alle Anwesenden und erklärt die vorgesehenen Programmpunkte (Foto: I. Vahlhaus)

Bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde die Meinung vertreten, dass der Harz von den Verkehrswegen gemieden wurde. Eine Überquerung des Harzes sei wegen der schroffen geologischen Formationen und dem wilden Bewuchs nicht möglich gewesen. Dabei belegt das Itinerar des Abts Albert von Stade um 1250, der vom Besuch seiner Großmutter in Quedlinburg in Rottleberode im Südharz ankam und dort verstarb, dass durchaus eine Harzquerung möglich war.

Dem Harzaufstieg, der von Quedlinburg kommend südlich von Bad Suderode auf die Hochfläche des Harzes führt, widmet sich seit 2017 Udo Münnich (Abb. 1) mit den Studien der Archivalien, dem Studium der Topographie und kleineren Voruntersuchungen im Gelände.

Abb. 2: Grenzstein mit Anhaltiner Krone (Foto: A. Swieder)

Abb. 3: Gruppenbild zur Mittagspause über dem Kalten Tal am östlichen Saalstein (Foto: I. Vahlhaus)

Die Wanderung am 04.  November 2017 begann mit 21 Teilnehmern und einer kurzen Wegstrecke vom Treffpunkt zum ehemaligen Kurzentrum von Bad Suderode, welches 1179 erstmals erwähnt wurde. Es folgte ein erster steiler Aufstieg hinauf zum „Preußenturm“ auf dem „Schwedderberg“. An dieser Stelle wurde 1845 erstmals ein Aussichtsturm errichtet. Die Aussicht verhalf Ortsunkundigen sich einen Eindruck über die Topographie des Nordharzrandes zu verschaffen. Von dort aus verlief der Weg zur „Oelbergshöhe“, wo kurz vor dem Gipfel ein möglicherweise von dort verlagerter und in zwei Teile gebrochener Stein liegt. Der Stein ist flach gearbeitet und in der Mitte vertieft. Man erkennt deutliche Abriebspuren, die volkstümlich als Kratzspuren des Teufels gedeutet werden. Eine ehemalige kultische Funktion dieses Steines ist nicht auszuschließen. Nicht weit von dieser Stelle tangierte die Gruppe die ehemalige Landesgrenze zwischen Preußen und Anhalt, die teilweise als Grenzweg mit Steinen rechts und links des Weges verlief und nördlich davon als Graben. Diesen Grenzverlauf folgte die Gruppe bis zum Saalstein östlich des „Kalten Tales“. Von dort aus und weiter unten im Tal konnten Grenzsteine mit einer prunkvollen Krone auf der anhaltinischen Seite (Abb. 2) beobachtet werden. Herr Münnich klärte detailliert über die Geschichte der unterschiedlichen und teilweise kuriosen Grenzverläufe auf. Die Grenze verlief am Kamm über dem kalten Tal bis zu dem östlichen Saalstein (Abb. 3), der den Grenzverlauf im Tal markierte.

Abb. 4: Zwei Altwege. Der vom Betrachter aus gesehene linke Weg schneidet den rechten Weg ab und ist tiefer eingeschnitten. Somit ist dieser höchstwahrscheinlich älter (Foto: A. Swieder)

Nach der Durchquerung dieses Tales ging es hinauf auf den gegenüber liegenden westlichen Saalstein. Etwas weiter westlich führte uns Herr Münnich in seine neusten Überlegungen ein, die Struktur des Hohlwegsystems der Roten Steiger am Nordrand des Harzes. Insgesamt konnte er bislang 12 Altwege aufnehmen, deren zeitlichen Ablauf er teilweise durch Überschneidungen festlegen konnte (Abb. 4). Einige der Wege interpretiert er aufgrund der Breite als Karrenwege, andere sieht er als Fuß- und Reiterwege an. Einige der Wege könnten spätmittelalterlich sein. Bei einem Weg gibt es Hinweise, dass die Hauptnutzung im 19. bzw. am Anfang des 20. Jahrhunderts lag. Genauere Ergebnisse dazu werden in einigen Jahren vorliegen.

Text: Ines Vahlhaus

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