Exkursion am 6. Mai 2017 ins Salzlandmuseum Schönebeck und zum „Ringheiligtum Pömmelte“

Abb. 1

Zur Führung durch den neu gestalteten Ausstellungsraum im Salzlandmuseum Schönebeck und zum Ringheiligtum in Pömmelte (Leitung: Herr Löbig, Salzlandmuseum) fanden sich 26 Interessierte ein (Abb. 1). Die Ausstellung bereitet die Besucher auf die Fundgeschichte der Anlage vor und präsentiert insbesondere die Originalfunde.

Das Rondell von Pömmelte bei Zackmünde im Salzlandkreis wurde 1991 auf Grund von Bewuchsmerkmalen im Luftbild entdeckt. Ab 2005 folgten systematische Grabungen durch die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen Anhalt. Die Ausgrabungen konnten klären, dass es sich um eine mehrphasiges Henge-Anlage handelt, die trotz der Nähe zu Saale und Elbe an einem hochwassergeschützenten Platz errichtet worden war. Auf Grund der auch in prähistorischer Zeit freien Sicht war das Ringheiligtum eine Markierung in der Landschaft. Das bedeutet aber auch, dass das Bauholz in unmittelbarer Nähe nicht vorhanden war und von weiter her herangeschafft werden musste. Das Rondell misst einen Durchmesser von 115 Metern und weist verschiedene Durchgänge auf. Die Funde datieren die Anlage an den Übergang von der Stein- zur Bronzezeit: es gibt Funde der Schnurkeramischen Kultur, der Glockenbecherkultur und der Aunjetitzer Kultur. Bei der Rekonstruktion der Anlage am Originalfundplatz in den Jahren 2015/2016 wurden rund 1800 Robinienstämme verbaut (Abb. 2).

Abb. 2

Bevor das Ringheiligtum gebaut wurde, gab es an dieser Stelle bereits eine aufwändige Bestattung aus der Schnurkeramischen Kultur mit männertypischer Bestattungslage und  Beigaben: Hammeraxt, geschliffenes Feuersteinbeil, zwei Feuersteinklingen. Der Bestattete lag in einer so genannten Totenhütte, mit vier Eckpfosten, die Wände und das Dach aus Holz konstruiert. Das Grab war überhügelt und somit weit sichtbar. In unmittelbarer Nähe wurde ein zeitgleiches „Grabengeviert“ ausgegraben, ein rituell genutzter Raum? Öffnungen markieren den Sonnenaufgangspunkt der Sommersonnwende und den Sonnenuntergangspunkt der Wintersonnwende.

Die erste Nutzungsphase des Ringheiligtums begann zur Zeit der Glockenbecherkultur und setzte sich in der Frühbronzezeit fort. Aus dieser Zeit sind auch Hausgrundrisse außerhalb des Rondell erhalten. Das Heiligtum wurde für ca. 200 bis 300 Jahre regelmäßig genutzt. Auch später wurde es noch sporadisch weitere 500 Jahre aufgesucht. Nach der bewussten Zerstörung der Anlage wurde ein anderes Rondell in Sichtkontakt (heute in Richtung Schönebeck) errichtet.

Das Rondell besteht aus Gräben, Wällen und mehreren Pfostenringen. Zudem gibt es zahlreiche Gräber und Opfergruben. Einige der Bestatteten zeigen Hinweise auf stumpfe Gewalteinwirkung. Unterbrechungen in den Pfostenreihen markieren die Eingänge zur Anlage. Der Haupteingang lag wohl im Osten. Es gibt zwei Hauptachsen, die sich kreuzen. Die Achsen nehmen Bezug zu den so genannten Mittviertelfesten (Anfang Februar, Ende April, Anfang August, Erntedankfest, Ende Oktober). In der Mitte der Anlage wurden das Grab eines ca. 18 jährigen Mannes mit der Beigabe einer Standfußschale (Glockenbecherkultur) und daneben eine grabartige Grube, die als Kenotaph interpretiert wird, dokumentiert.

Im Inneren fallen besonders die farbig und mit Ornamenten gestalteten Pfosten auf. Die Ornamente gehen auf Verzierungen zurück, die von der zeitgleichen Keramik der Glockenbecherkultur und von Stelen im Petit Chasseur bei Sion im Wallis (Schweiz) bekannt sind.

Text und Fotos: Roland Wiermann

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