Exkursion nach Großstolpen am 25. Mai 2016

Abb. 1

Auf Einladung des sächsischen Landesamtes für Archäologie besuchten wir am 25. Mai 2016 die Werkshalle in Großstolpen, Lkr. Leipzig, um uns die Freilegung zweier im Block geborgener linienbandkeramischer Brunnen anzuschauen. Unsere Überraschung war groß, vor Ort nicht nur eine Halle mit den beiden Blöcken sondern ein professionell gestaltetes Informationszentrum vorzufinden (Abb. 1). Eine Innenseite der Halle war übersichtlich mit Erklärungstafeln, Karten und Plänen gestaltet. Vitrinen mit bandkeramischen Funden ergänzten die textbasierten Darstellungen. Anhand dieses Präsentationsmaterials gab uns der örtliche Grabungsleiter, Herr Frank Schell, zunächst einen kurzen Überblick über die Herkunft und Träger der Linienbandkeramik und ihren materiellen Hinterlassenschaften. Umfangreiche Erläuterungen zum Ort der Befunde und zu den im Block geborgenen linienbandkeramischen Brunnen folgten. Gefunden wurden sie im Tagebau Schleenhain, Abbaufeld Peres, in der Gemarkung Droßdorf. Einer der Brunnen befand sich am östlichen Rand einer ausgedehnten bandkeramischen Siedlung. Der andere lag innerhalb eines Feldes von insgesamt neun neolithischen Brunnen. Diese „Brunnenfeld“ befand sich in einer Senke südwestlich der Siedlung in deutlichem Abstand zu dieser. Die nicht im Block geborgenen Brunnen wurden vor Ort ausgegraben. Die meisten von ihnen datieren in die Linienbandkeramik; allerdings konnten auch zwei der Befunde auf Grundlage naturwissenschaftlicher Datierungsverfahren in die Zeit der Baalberger Kultur eingeordnet werden.

Abb. 1

Zum Zeitpunkt unseres Besuches waren die Arbeiten an dem eine Block bereits abgeschlossen und der zweite Block war bis zur oberen Schicht der ersten Brunnenhölzer abgetragen (Abb. 2). Herausragendes Ergebnis des ersten Brunnenblocks – so Herr Schell – waren die Funde umfangreicher und miteinander verschlungener Lindenbaststreifen. Möglicherweise sollten diese, nach Aufgabe des Brunnens als Frischwasserlieferant, unter Luftabschluss rotten, um die für ihren Einsatz gewünschten Eigenschaften zu erlangen. Die Freilegungsarbeiten am Block des zweiten Brunnens konnten wir kurz verfolgen. Über zwei Meter sind noch auszugraben, was mehrere Monate Zeit in Anspruch nehmen wird und einen erneuten Besuch des Informationszentrums in Großstolpen lohnenswert erscheinen lässt.

Für die freundliche und fachkundige Betreuung möchten wir uns beim Landesamt für Archäologie Sachsen und vor allem bei Herrn Schell recht herzlich bedanken.

Text und Fotos: Brigitte Schiefer-Kutzschrad

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