Exkursion nach Questenberg. Besiedlung, Geologie und Landschaft eines Südharzortes

"Das Eisloch" bzw. "Die Ziegen(schwanz-)höhle". (Foto: U. Tichatschke)

„Das Eisloch“ bzw. „Die Ziegen(schwanz-)höhle“. (Foto: U. Tichatschke)

Der im Nassetal im Südharz gelegene Ort Questenberg zeichnet sich speziell durch seine Lage im Karstgebiet, das ständigen Veränderungen unterworfen ist, aus. Bekannt ist Questenberg heutzutage wegen seines archaischen „Questenfestes“, welches an Pfingsten gefeiert wird. Das erste Ziel der Exkursion war geologischer Natur: Das Eisloch, besser als Ziegenloch bzw. wegen der Ausformung auch als Ziegenschwanzhöhle bekannt, ist eine typische Spalthöhle, wie sie in Karstlandschaften häufiger anzutreffen ist. Der zweite Punkt war ein für ein ungeübtes Auge eher unauffälliges Bodendenkmal auf dem Arnsberg. Im Westen fällt das Gelände hier steil zum Ort und zum Nassetal ab. Zu den anderen Seiten hin wurde die Geländekuppe einst durch ein doppeltes Wall-Grabensystem gesichert. Besser als im Gelände erkennt man dies auf LIDAR gestützten Abbildungen. Ein Probeschnitt von Paul Grimm in den 1930er Jahren ergab einen Datierungsansatz in die jüngere Bronze- bis frühe Eisenzeit. Außer diesen Schnitt fanden keine weiteren Untersuchungen statt, so dass keine weiter gehenden Aussagen hierüber möglich sind.

Abb. 1: Auf der Questenburg. U. Münnich erläutert Grundriss und Historie. (Foto: U. Tichatschke)

Abb. 1: Auf der Questenburg. U. Münnich erläutert Grundriss und Historie. (Foto: U. Tichatschke)

Über einen Höhenrücken geht es von dort aus zu einem östlich der Nasse gelegenen Seitental. Dort gibt es mit der Diesterbachschwinde eine weitere beachtenswerte Karsterscheinung. Das in der Schwinde im Untergrund versickernde Wasser gelangt am so genannten „Toten Sumpf“ am Ortsrand von Questenberg wieder an die Oberfläche. Von dort aus und am frisch restaurierten Roland in der Ortsmitte vorbei gelangte die fast 30 Personen umfassende Gruppe  auf der nächsten Höhe über dem Ort zu den Ruinen der mittelalterlichen Questenburg (Abb. 2). Sie wurde vermutlich während der Bauernkriege aufgegeben. Die Anfänge der Burg liegen wahrscheinlich in der Mitte des 13. Jahrhunderts, als die Herren von Beichlingen dort eine Burg errichten ließen.

Abb. 3: Die Gruppe am Ende des Tages. (Foto: U. Münnich)

Abb. 3: Die Gruppe am Ende des Tages. (Foto: U. Münnich)

Auf der nächsten nordöstlichen Anhöhe liegen zwei weitere Bodendenkmäler, deren Funktion noch nicht geklärt werden konnte: Der Klauskopf bzw. Kuhring, mit einer umwallten Fläche von 0,22 ha (70 x 40 m), liegt auf einem Bergsporn und ist durch einen Graben mit einer Erdbrücke zum Hang hin gesichert. Von hier liegen nur wenige, vermutlich hoch- bis spätmittelalterlicher Keramikscherben vor, vom Klauskopf einige mesolithische Silexfagmente. Bei einem etwas tiefer und nur ca. 100 m davon entfernt liegenden Bodendenkmal könnte es sich um eine in keiner Urkunde erwähnte Klause handeln. Die topographisch bedingte Schutzlage wird durch ein Wall-Grabensystem unterstützt. Dazwischen können einzelne Wohnstellen vermutet werden. Auf der anderen Talseite liegt am westlichen Ortsrand die durch Versturz unzugängliche Questenhöhle. Direkt darüber ist die Anhöhe im Osten durch einen Steilabfall abgesichert. Dem schließen sich im Norden und Nordwesten mehrere mächtige Abschnittswälle an, die nach Süden hin nicht mehr genau identifizierbar sind. Vermutlich waren durch natürliche Steilabfälle im Südwesten und Süden keine weiteren Wallanlagen nötig und lediglich der mächtige, innerste Wall ist bis zur Südwestecke hin nachzuverfolgen. Diesem schließt sich im Süden ein weiterer mächtiger Wall an. Die Untersuchungen der Wälle in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts ergaben eine Datierung in die ältere Latènezeit (ca. 500 v. Chr.). Die Wasserversorgung der als Fluchtburg interpretierten Anlage wird bis heute unterschiedlich diskutiert. Auf der höchsten, im Osten angrenzenden Anhöhe befindet sich die Queste als Austragungsort des Questenfestes zum Pfingstmontag (Abb. 3).

Text: Ines Vahlhaus

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