Früh- und hochmittelalterliche Siedlungsspuren im südlichen Unterharz

Wüstung Hohenrode

Abb. 1: Kleine Vorratskeller

Abb. 1

Die Exkursion begann am Bad nördlich des Ortes Grillenberg (OT von Sangerhausen). Nach einem Aufstieg von etwa 100 m wurde die Wüstung Hohenrode erreicht. Dicht unterhalb der Wüstung konnten im heutigen Waldgebiet Wölbäcker beobachtet werden. Diese Wölbäcker mit einer Breite von 10-15 m rühren von der Pflugmethode im Mittelalter her. Im Mittelalter kannte man keinen Wendepflug, so dass die Erdscholle immer nur nach einer Seite gekippt werden konnte. Beim „kreisförmigen“ Pflügen wurde somit immer wieder Erde der Mitte des Feldes zugeführt. An den Rändern fehlte diese Erde und daraus resultierte eine Senke. Der positive aber nicht beabsichtigte Effekt bestand darin, dass für die Ackerstreifen eine geringe Entwässerung erreicht wurde. Mitte der 30er Jahre leitete Paul Grimm die Ausgrabung der Wüstung Hohenrode. Er fand Siedlungsperioden aus dem 10.-12. Jahrhundert mit slawischer Keramik und eingetiefte Häusern in Holz-Lehmbauweise. Darüber lag die jüngere Siedlung des 12.-14. Jahrhunderts mit Steinbauten in Trockenmauertechnik. Auch diese sind eingetieft und besitzen kleine Vorratskeller (Abb. 1). An den einzelnen Hofstellen konnten Feuerhäuser (Küchen) (vgl. Abb. 2) und Speicher, die bis zu zwei Geschosse hoch und verschließbar waren, nachgewiesen werden. Da die Grundrisse nicht wieder zugeschüttet wurden und dank eines ortsansässigen Vereins, der die Anlage bis heute pflegt, bietet sie dem Besucher ein exzellentes Beispiel eines Freilichtmuseums, das ihm ermöglicht, mittelalterliche dörfliche Strukturen im Original zu erleben.

Abb. 2 (Tischatschke)

Abb. 2 (Tischatschke)

Friesenburg

Über die historische Kohlenstraße, die seit dem 13. Jahrhundert dem Transport der Harzer Holzkohle zu den Hütten im Mansfelder Land diente, führte die Exkursion zur Friesenburg, die mangels Funden bisher nicht genauer datiert werden konnte. Sie entstand vermutlich im frühen Mittelalter, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Ansiedlung von Friesen durch die Franken in dieser Region. Außer einem etwa 400 m langen Wall mit vorgelegtem Graben weist nichts auf die Burganlage hin. Erst in jüngster Zeit konnten zwei kleine Schanzen, die einmal innerhalb der Wallanlage und einmal außerhalb dieser lagen, untersucht werden. Es sind gebogene Gräben mit einem vorgelegten Wall von etwa 20-30 m Länge. Die Blick- und Schussrichtung beider Schanzen liegt in Richtung des vermuteten Eingangs, der durch eine Erdbrücke und Walllücke erkennbar ist. Die Grabenrückseite der Schanzen ist mit einem etwa 70 cm starken Trockenmauerwerk aus rotem Sandstein bewehrt. Der Zweck dieser Befestigung konnte bisher nicht geklärt werden.

 

Grillenburg

Den Abschluss bildete der Aufstieg zur mittelalterlichen Grillenburg, die wahrscheinlich im 12. Jahrhundert entstanden ist. Urkundlich ist die Burg erstmals 1217 erwähnt. Die erste Burganlage ist mit roten Sandsteinen errichtet worden, die zweite, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaute Burg bestand aus gebrannten Ziegeln (Abb. 3). Die Wasserversorgung wurde durch eine in den Fels geschlagene Zisterne innerhalb der Vorburg abgesichert. Die letzten Bewohner der Burg waren die Herren von Morungen, die bis 1581 dort lebten. Danach dürfte die Burg verfallen sein.

Abb. 3 (Tichatschke)

 

 

 

 

Text und Abb. 1: Udo Münnich

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