Denkmale entlang des archäologisch-historischen Rundwanderweges Lüdelsen

Abb. 1: Herr Mittag verweist auf die Schälchen auf dem Deckstein des Großsteingrabes Lüdelsen 1.

Abb. 1: Herr Mittag verweist auf die Schälchen auf dem Deckstein des Großsteingrabes Lüdelsen 1.

Eingebettet in eine reiche (Boden-)Denkmallandschaft befinden sich östlich von Lüdelsen im Altmarkkreis Salzwedel die Gemarkungsfundstellen 1 bis 6. Es handelt sich um sechs dicht beieinander liegende jungsteinzeitliche Großsteingräber. Insbesondere im 19. Jh. sind zahlreiche altmärkische Großsteingräber im Zuge von Flurbereinigungen, Straßenbaumaßnahmen und bei der Baumaterialgewinnung aus der Landschaft verschwunden. Von den einstmals über 200 nachweisbaren Anlagen sind heute nur noch 48 erhalten. Umso wertvoller ist der dichte Bestand bei Lüdelsen!
Wurde die wissenschaftliche Erforschung der altmärkischen Großsteingräber in den 1930er Jahren durch Ulrich Fischer (Halle) eingeleitet (Leetze 1, 4 und 6), so folgte die Fortsetzung dieser Aktivitäten erst in den Jahren 2007 bis 2010 mit der vollständigen archäologischen Ausgrabung des Großsteingrabes Lüdelsen 3 und der Teilausgrabung der imposanten Anlage von Lüdelsen 6 (»Königsgrab«).
Abb. 2: Besichtigung des »Königsgrabes« Lüdelsen 6.

Abb. 2: Besichtigung des »Königsgrabes« Lüdelsen 6.

Das von der Universität Kiel in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt durchgeführte Forschungsprojekt trug beispielsweise zur Klärung des Aufbaus und der Datierung der beiden genannten Anlagen bei. Die Großsteingräber mit ihren Hügelanschüttungen und Steinumfassungen entstanden demnach in geringer zeitlicher Abfolge zwischen 3550 und 3300 v. Chr. Erbauer sind Leute der Trichterbecherkultur.
In beiden Grabanlagen kam es in späterer Zeit zu Nachbestattungen, etwa zur Zeit der Einzelgrabkultur am Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. (Lüdelsen 3) oder zur Zeit der Kugelamphorenkultur um 2800 v. Chr. (Lüdelsen 6). An der Oberseite der höchstwahrscheinlich immer frei liegenden Decksteine erfolgten ebenfalls in späteren Jahrhunderten Manipulationen in Form von so genannten Schälchen – kleine runde, auf mechanischem Wege angebrachte Eintiefungen.
Abb. 3: Hartmut Bock (Jübar) gibt Erklärungen zu den archäologischen Aktivitäten auf der Wüstungsstelle von Nieps.

Abb. 3: Hartmut Bock (Jübar) gibt Erklärungen zu den archäologischen Aktivitäten auf der Wüstungsstelle von Nieps.

Diese Schälchen lassen sich an den Großsteingräbern Lüdelsen 3, 5 und 6 eindrücklich beobachten.
Am 11. März 2012 waren 42 Interessenten der Einladung der Archäologischen Gesellschaft gefolgt, um die in Form eines Rundwanderweges erschlossenen Geländedenkmale zu erkunden. Unter der Leitung von Lothar Mittag vom Danneil-Museum Salzwedel und Dr. Fabian Gall (Halle) wurden neben den genannten sechs Großsteingräbern auch der Wassermühle Lüdelsen, den in der heutigen Waldflur zahlreich vorhandenen mittelalterlichen Wölbäckern, der Wüstung Nieps mit dem Standort der »1000-jährigen« Eiche und der Gefallenen-Gedächtniskirche in Lüdelsen ein Besuch abgestattet.

Text: F. Gall
 
 

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