Auf alten Karrenwegen zum Aufstieg in den Harz

Abb. 1: Ein Abschnitt des tief eingeschnittenen Wegaufstieges am »Roten Steiger« (Foto: U. Münnich).

Abb. 1: Ein Abschnitt des tief eingeschnittenen Wegaufstieges am »Roten Steiger« (Foto: U. Münnich).

Die Archäologische Gesellschaft in Sachsen-Anhalt e.V. führte am 18. Oktober 2014 eine Exkursion durch, bei der der Nordrand des Harzes bei Stecklenberg über die »Alten Steiger«, einem Wegebündel alter und längst nicht mehr genutzter Hohlwege, erklommen wurde. Es handelt sich hier um Verbindungswege des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen regionalen Wirtschaftsverkehrs, die an die Steilheit des Gebirges angepasst, einen Höhenunterschied von 220 m auf 1,5 km Luftlinie überwinden. 1,7 km östlich davon verläuft die Alte Heerstraße von Quedlinburg nach Nordhausen über die so genannten »Roten Steiger«. Während des Aufstieges konnte die beeindruckende Tiefe der Wege bis zu 7 m beobachtet werden (Abb. 1). Die Wege sind nicht nur durch die Erosion entstanden. Künstliche Felsdurchbrüche sorgten dafür, dass einerseits die Querneigung der Wege verringert sowie andererseits der Anstieg gleichmäßig gestaltet wurde. Es gelang während der Exkursion eine relative zeitliche Abfolge der Nutzung der Wege bei Querungen und Einmündungen festzustellen. Bohrlöcher an einer Felswand des Weges zur Sprengung mit dem Ziel der Profilerweiterung belegten beispielsweise dessen Nutzung in jüngerer Zeit.
Abb. 2: Wegprofil mit Radspuren im Granit am Reinickenberg (Foto: U. Münnich).

Abb. 2: Wegprofil mit Radspuren im Granit am Reinickenberg (Foto: U. Münnich).

Im oberen Teil der Wege am Reinickenberg konnte ein Wegprofil mit Radspuren im Granit freigelegt werden (Abb. 2). Der Radstand betrug 135 cm + 5 cm, die Reifenbreite 6-10 cm.
Das Gebiet des Ramberges ist neben dem Brockenmassiv das einzige Granitgebirge im Harz. Im 19. Jahrhundert wurde in diesem Bereich durch die »Steinschläger« Baumaterial für den Straßenbau gewonnen. Inmitten eines sumpfigen Waldstücks wurde ein neuzeitlicher, vermutlich ab der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts betriebener Steinbruch mit angeschlossenem Steinmetzbetrieb aufgesucht. Hier gab es Anschauungsmaterial zur Steinspaltungstechnik in Form von Keillöchern und Keilen und eine größere Anzahl unvollendet gebliebener, kunstvoll behauener Steine, die vermutlich unterschiedlicher Nutzung zugedacht waren.
Abb. 3: Ein Teil der Exkurssionsteilehmer vor dem Modell der Lauenburg (Foto: U. Münnich).

Abb. 3: Ein Teil der Exkurssionsteilehmer vor dem Modell der Lauenburg (Foto: U. Münnich).

Die Technik der Sprengung mit Bohrlöchern diente an anderen Stellen der Gewinnung von Bruch- und Pflastersteinen.
Die letzte Station der Exkursion widmete sich der flächenmäßig zweitgrößten Burg des Harzes, der Lauenburg, die durch den Harzklub Stecklenberg in einen begehbaren Zustand versetzt wurde. Die letzten intensiven Forschungen über diese Burg gehen auf die 1950er Jahre zurück, so dass diese umfangreichen Untersuchungen und Dokumentationen des Architekten Hermann Wäscher die einzigen sind, auf die zurückgegriffen werden kann. Dass einige Erkenntnisse heutzutage anders interpretiert werden könnten, belegt die Tatsache, dass Wäscher die Errichtung der Burg unter Heinrich IV. in das 11. Jahrhundert legt, aber inzwischen der Bauforscher Reinhard Schmitt (Halle) diese Datierung wiederlegt hat, und den Bau in die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts verortet.
Die Exkursion wurde mit einem Foto vor dem Modell der Lauenburg in Stecklenberg abgeschlossen (Abb. 3).

Text: U. Münnich

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