Archäologisch-kulturhistorische Wanderung bei Friedrichsbrunn im Harz

Abb. 1: Einer der »Tättenbachschen Grenzsteine« von 1603 (Foto: W. Fricke).

Abb. 1: Einer der »Tättenbachschen Grenzsteine« von 1603 (Foto: W. Fricke).

Nach einer Begrüßung am Parkplatzes nördlich von Friedrichsbrunn durch Ines Vahlhaus ging es unter der Leitung von Udo Münnich bei sonnigem Herbstwetter zum nur wenige Schritte entfernt liegenden ersten Exkursionspunkt. Von Nordosten zieht am sog. Kalten Tal die ehemalige Grenze zwischen Anhalt und Preußen, genauer zwischen dem Amt Steckenberg und Gernrode dem gewählten Wanderweg, der nun eine Zeit lang entlang dieses ehemaligen Verlaufes verläuft. Entlang dieser Grenze erläuterte Herr Münnich unterschiedlich gestaltete Grenzsteine. So wies er z.B. auf einige Besonderheiten in der Ausführung wie fehlerhafte Zeichen hin. Der noch ersichtliche, heutzutage lückenhafte Stand repräsentiert den festgelegten Grenzverlauf der letzten Grenzrevision von 1825. Diese Grenze stößt am dreieckigen Stein auf die Grenze zwischen dem Amt Stiege und dem Amt Güntersberge. Hier besonders auffällig sind die sog. »Tättenbachschen Grenzsteine« von 1603, die zum Teil restauriert und wieder an Ort und Stelle aufgestellt wurden (Abb. 1).
Abb. 2: Gruppenfoto am Rastplatz vor der Erichsburg (Foto: I. Vahlhaus).

Abb. 2: Gruppenfoto am Rastplatz vor der Erichsburg (Foto: I. Vahlhaus).

Diese Grenzsteine sind die ältesten noch existierenden Grenzsteine im anhaltischen Harzgebiet. An einer Stelle erläuterte Herr Münnich eine offensichtliche Korrektur des Grenzverlaufes und einige noch im Gelände zu erkennende Gräben, die ebenso einen Grenzverlauf markieren konnten.

Die Wanderung führte weiter zur Erichsburg. Die runde ca. 30 m im Durchmesser umfassende Kernburg war mit Ringgraben und Wall in Richtung Norden, Westen und Süden und einem Steilabfall im Südosten geschützt. Der Bergfried stürzte bei der Zerstörung der Burg in den Graben. Über die Erbauung der Burg gibt es keine schriftlichen Belege und wahrscheinlich endet die Burggeschichte 1346 mit der Eroberung und Zerstörung der Grafen von Heinrich und Dietrich von Hohenstein und ihren Verbündeten.
Da auf der Erichsburg lediglich Vermessungsarbeiten, aber nie Ausgrabungen stattgefunden haben, ist archäologisch wenig aussagekräftiges Material vorhanden. Ein moderner Laserscan belegt, dass im Nordosten sich der Zugang zur Vorburg befand (Abb.2).

Abb. 3: Die Gruppe an der kleinen Teufelsmühle (Foto: W. Fricke).

Abb. 3: Die Gruppe an der kleinen Teufelsmühle (Foto: W. Fricke).

Anschließend ging es teilweise quer durch den Wald, an ehemaligen Pingen vorbei zum unterhalb der Erichsburg gelegenen Mühlteich, den Kirchsteig hinauf zur Wüstung Bischofrode. Dieser Ort wurde 1170 erstmals erwähnt. Erkennbar sind noch die Fundamente der Kirche, die 25 m x 15 m umfassen. Herr Münnich hat in diesem Jahr ein Steilbeil an diesem Ort gefunden, welches er als dorthin verlagerter »Donnerkeil« deutet, denn bei dieser Höhenlage ist nicht mit einer neolithischen Siedlung zu rechnen.
Von dort ging es zu den letzten beiden Stationen unserer Wanderung, der Großen und der kleinen Teufelsmühle auf dem Ramberg (Abb. 3). Trotz immer wieder geäußerter Vermutungen handelt es sich hierbei nicht um archäologische, sondern um geologische, unter Schutz stehende Denkmale. Herr Münnich erläuterte die Entstehung dieser Steine und einige der hierzu existierenden Sagen mit einigen Varianten. Wer bis zum Ende der Wanderung durchgehalten hatte, erhielt zum Abschluss ein kleines von Herrn Münnich vorbereitetes Heftchen zum Nachschlagen mit Text, Bildern und weiterführenden Literaturangaben.

Text: I. Vahlhaus

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