Archäologisch-siedlungshistorische Wanderung rund um den Süßen See

Abb. 1: Die Teilnehmer bei Regen im Seeburger Schlossbereich. Im Hintergrund das Schlosstor (Foto: J. Lukascheck).

Abb. 1: Die Teilnehmer bei Regen im Seeburger Schlossbereich. Im Hintergrund das Schlosstor (Foto: J. Lukascheck).

Am Samstag, den 26. März 2011 traf sich eine wanderfreudige Gruppe von über 60 Personen vor dem Seeburger Schloss am Süßen See. Nach der Begrüßung durch Ines Vahlhaus machten wir uns neben der Lokalisierungsmöglichkeiten des Namens Hochseeburg an unterschiedlichen Stellen und die sichere Ersterwähnung des Ortes im Hersfelder Zehntverzeichnis (8. Jh.) mit einigen wichtiger Persönlichkeiten des Ortes, insbesondere Wichmann (II) von Seeburg (1116-1192), der 1152 zum Erzbischof von Magdeburg gewählt wurde und daneben der Topographie des Ortes vertraut. Dr. Wernfried Fieber erläuterte die unterschiedlichen Teile der bestehenden und ehemaligen (Schloss-) Anlage. Ausfühlich erläuterte er die Lokalisierung der ehemaligen Haupt- und Vorburg, die sich weit über den Geländerücken nach Osten erstreckt. So gelangte die Gruppe bis zu dem äußersten ehemaligen Wall und der dort heute stehenden romanischen Fleckenkirche von Seeburg. Diese konnte dank der Anwesenheit von Norbert Fiebig besichtigt werden. Dr. Fieber erläuterte die Herkunft des Namens »Fleckenkirche« und wies u.a. auf den spätgotischen Choranbau hin.
Weiter ging es zum Seeburger Galgen der nahe der Wüstung Edenstedt (Ersterwähnung: 1288, letzte Erwähnung als Hof 1582) 1720 errichtet und 1722 erstmals als Hinrichtungsstätte genutzt wurde.
Abb. 2: Die Galgensäule von Seeburg oberhalb der Wüstung Edenstedt (Foto: U. Tichatschke).

Abb. 2: Die Galgensäule von Seeburg oberhalb der Wüstung Edenstedt (Foto: U. Tichatschke).

Das aus Feldsteinen hoch über dem Süßen See weit sichtbar errichtete Galgenfundament ist eines der wenigen entsprechend Kleindenkmale seiner Art. Es ging hinab an die Straße am Nordufer des Süßen Sees, die in ihrer Führung auf einem Altweg beruht hin zur Wüstung Badendorf und über die »Himmelshöhe« nach Wormsleben. Die beschriebenen Wüstungen am Nordufer des Süßen Sees wurden im 16. Jahrhundert wahrscheinlich aufgrund eines gestiegenen Sicherheitsbedürfnisses und der Beschwerlichkeit der Erreichbarkeit der dazu gehörenden Felder oberhalb des Süßen Sees nach und nach aufgegeben und die Äcker von den neuen Siedlungsstandorten bewirtschaftet.
Dr. Fieber wies auch immer wieder auf einige vegetative Besonderheiten am Wegesrand hin. Weitere Ausführungen zu Wormsleben, der Geschichte und ehemaligen Größe des Süßen Sees, der Zuleitung der Bösen Sieben und dem angrenzenden ehemaligen »Faulen See« im Westen erhielten wir in Höhe von Wormsleben und Lüttchendorf.
Abb. 3: Verabschiedung der Teilnehmer an der Uferpromenade von Seeburg durch Dr. W. Fieber und I. Vahlhaus (Foto: U. Tichatschke).

Abb. 3: Verabschiedung der Teilnehmer an der Uferpromenade von Seeburg durch Dr. W. Fieber und I. Vahlhaus (Foto: U. Tichatschke).

Ein Hinweis auf »Luthers kalte Stelle« fehlte nicht.
Die Wanderung führte weiter entlang des Südufers des Süßen Sees zur Wüstung Liebsdorf (vom 8. Jh. bis ins späte Mittelalter bestehend) nach Aseleben und entlang der ehemaligen Salzwiesen zurück nach Seeburg mit einem Blick auf die auf dem Wartberg zwischen dem Süßen und dem ehemaligen Salzigen See gelegenen Grabhügel. Nach der Verabschiedung der Gruppe an der Seepromenade von Seeburg bestand noch die Möglichkeit sich bei einem kleinen Imbiss oder Kaffee aufzuwärmen und näher auszutauschen.

Text: I. Vahlhaus

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