Exkursion in den Harz nach Güntersberge am 03. November 2018

14 Teilnehmer waren am 3. November 2018 in den Harz gekommen, um die Gegend um Güntersberge mit den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bodendenkmalen kennen zu lernen. Es handelte sich dabei um Befestigungsanlagen, ein mittelalterlicher Königsweg, eine Wüstung und ein Kleindenkmal aus der Neuzeit.

Die Güntersburg in der Mitte des Ortes ist als solche kaum noch bekannt, da im allgemeinen Gebrauch unter diesem Namen eher die Burg auf dem nahe gelegenen Kohlberg verstanden wird. Sie war Ausgangspunkt der Exkursion. Durch starke Überbauung dieser Burg ist nur noch ein Wallrest an der Ostseite der Burgfläche erkennbar. Die Burg bildete mit der etwa 200 m südlich gelegenen Kirche den Ortskern, der mit einer Mauer umgeben war. Die heute hindurch führende Bundesstraße 242 lief vormals nördlich an dem Ort vorbei. Erst in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts nach einem Brand der Stadt wurde die Befestigung aufgelöst und die Straße durch die Mitte des Orts geführt. Die Burg geht wahrscheinlich auf die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück, da der östlich gelegene Ort Altendorf in dieser Zeit urkundlich belegt ist und in den späteren Ort Güntersberge integriert wurde.

Abb. 1: Delinquentenstein bei Güntersberge

Die nördlich am Ort vorbei ziehende, bereits im Mittelalter bestehende Hohe Straße vereinigte die Hohe Straße oder Klausstraße von Mansfeld kommend mit dem von Norden über das heutige Friedrichsbrunn kommenden Königsweg von Quedlinburg. Sie verlief als Höhenweg weiter über Stiege nach Hasselfelde. An der Überquerung der ehemaligen preußisch-anhaltischen Landesgrenze sind historische Grenzsteine dokumentiert, aber nicht mehr erhalten. Statt dessen sind Fragmente eines ebenfalls dokumentierten Delinquentensteins vorhanden, an dem der Austausch von Häftlingen stattgefunden hat (Abb. 1). Im weiteren Verlauf liegt direkt an der Hohen Straße die Schanze, von Einheimischen auch Kanonenplatz genannt. Über die Entstehung ist nichts bekannt, sie wird jedoch im 17. Jahrhundert vermutet, hat jedoch nichts mit Kriegsereignissen zu tun. Vermutlich diente sie als Zollstation und Wegsperre für die aus Quedlinburg, Mansfeld und Stolberg hier vorbei führenden Wege (Abb. 2).

Die Wüstung Selkenfelde im Quellgebiet der Selke ist historisch belegt durch die Erwähnung in einer Urkunde Ottos I. von 961. Hier befand sich ein königlicher Jagdhof, wobei Urkunden hier an diesem Ort nicht ausgestellt wurden.

Abb. 2: Schanze (Kanonenplatz) bei Güntersberge

Die letzte Station der Exkursion war die auf dem Kohlberg liegende 140×200 m große Burganlage, über die überhaupt keine Nachrichten vorliegend, obwohl Funde diese Befestigung eindeutig in das 11.-14. Jahrhundert datieren. Die Größe der Anlage hat mehrfach Anlass zu Spekulationen gegeben. Ob die benachbarten Stolberger Grafen eine Burg hier errichtet haben, dies eine Bergstadt für den Bergbau mit Wirtschafts- und Wohnanlagen war, oder wie der Ausgräber der Burg, Haring, Anfang des 20. Jahrhunderts schrieb, die Pfalz Siptenfelde gewesen oder gar nur eine Fliehburg gewesen ist, kann nicht geklärt werden.

Mit einer Weglänge von 14 km konnten diese Bodendenkmale alle zu Fuß aufgesucht werden, was auch von allen Teilnehmern toleriert wurde.

Text und Fotos: Udo Münnich

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