Exkursion ins Kieswerk Rogätz am 13. September 2019

Abb. 1: Die Exkursionsteilnehmer vor der Geländearbeit.

Nach Absprache mit dem Kieswerksbetreiber, der Firma CE(ment)MEX(ico) in Magdeburg, konnten Mitglieder und Freunde unserer Gesellschaft wieder einmal das Kieswerk Rogätz besuchen, um dort – vor allem paläolithische – Artefakte zu bergen. Dieser Einladung waren immerhin 20 Interessierte gefolgt (darunter ein Mitglied unserer Partnergesellschaft in Thüringen). Nachdem es kurz zuvor (ein wenig) geregnet hatte, konnten auf zwei Halden mit Überkorn-Materialien zweier verschiedener Herkunftsgebiete insgesamt 46 Steinartefakte, 6 Tonscherben aus dem Zeitraum von der Bronze-/Eisenzeit bis in die frühe Neuzeit und einige Faunenreste geborgen werden, darunter Mammut-Stoßzahnlamellen, die somit ganz sicher ins Eiszeitalter gehören.

Abb. 2: Fundbergung von der Überkornhalde.

Die Funde entstammen zwei Abbaugebieten, in denen derzeit die Kiesgewinnung erfolgt: Im Bereich des 1684 mittels Durchstichs vom Strom abgeschnittenen Elbealtarms „Treuel“ wird seit Jahrzehnten Kies gebaggert. Inzwischen ist der größte Teil der Fläche innerhalb der Mäanderschleife des Elbe-Altarms zu einem mehrere Quadratkilometer messenden See geworden. Seit dem Erstfund des ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegers Hans Winter 1954 (einer „Pseudo-Levallois-Spitze“) wurden Hunderte paläolithischer (und zuweilen wohl auch jüngerer) Steinartefakte, Knochen pleistozäner (und holozäner) Tiere und archäologische Funde aus jüngeren Perioden der Ur- und Frühgeschichte geborgen., die vom ausgesiebten Kies der „Überkornhalde“ abgesammelt wurden. Zu den Funden, die bereits von den Kieswerksmitarbeitern abgesammelt werden, gehören auch riesige Stämme von „Mooreichen“, die einst in der Flussaue wuchsen, einsedimentiert wurden und sich unter dem Grundwasserspiegel erhalten haben. Da man mittels Dendrochronologie (Zählung, Vermessung und Synchronisation der Jahresringe mit einer Standardkurve) die Zeitstellung dieser Bäume bestimmen kann, konnte für einen Neufund die „Waldkante“ – das letzte Lebensjahr des Baumes – auf etwa 2908 v. Chr. ermittelt werden (Dr. K.-U. Heußner, Deutsches Archäologisches Institut Berlin).

Ein zweiter Abbaubereich wurde in den südlich vom „Treuel“ gelegenen „Auwiesen“ nahe dem rezenten Elblauf seit 2005 erschlossen. Da das Überkorn auf getrennten Halden gelagert wird, können zumindest diese beiden Fundbereiche im Artefaktmaterial voneinander unterschieden werden. Eine Zuordnung zu konkreten archäologischen Befunden (unter dem Wasserspiegel!) ist natürlich nicht möglich, wenn die Artefakte auf Halden gelagert werden, nachdem sie vom Abbau bis zum Siebungsprozess schon eine längere „Reise“ auf Förderbändern hinter sich haben.

Abb. 3: Feuersteinabschlag von der Halde „Treuel-Nordost“. Das Originalstück ist 12,7 cm breit.

Für die stratigraphische Zuordnung der Artefakte und den Vergleich mit weiteren mittel- und jungpleistozänen Inventaren hat sich die Erweiterung der Materialbasis im Zuge der Aufsammlung als eine Möglichkeit zur Fortsetzung der Steinzeitforschung in einer spannenden Region erwiesen, in der sich Mensch und Gletscher im Eiszeitalter mehrfach „die Klinke in die Hand gaben“. Der kontinuierliche Fundanfall über Jahrzehnte hinweg im Rahmen stets nur sporadischer Begehungen spricht dafür, dass die Elbeschotter außerordentlich zahlreiche Zeugnisse menschlicher Aktivitäten während des Pleistozäns enthalten, die den Vergleich mit so manchen afrikanischen Stationen und deren ungeheurem Fundreichtum nicht zu scheuen brauchen.

Text und Fotos: Thomas Weber

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