Exkursion zur Jahrestagung Sangerhausen am 22. April 2018

Abb. 1: Gebietsreferent O. Kürbis erläutert den Teilnehmenden die Geschichte des Burghügels von Oberröblingen.

Am Sonntag, den 22. April 2018, endete die Jahrestagung in Sangerhausen mit einer Exkursion zu historischen und prähistorischen Denkmälern zwischen Helme, Unstrut und Wipper. Zunächst ging die Fahrt nach Oberröblingen. Der bereits Ende des 9. Jh. im Hersfelder Zehntverzeichnis genannte Ort beherbergt eine ringförmige Burganlage, welche vermutlich im 13. Jh. von den Grafen von Klettenberg errichtet wurde. Mittlerweile ist der von einem Graben umgebene Burghügel modern bebaut und dient zukünftig als Pflegeeinrichtung (Abb. 1).

Im Industriegebiet Artern, wenige Kilometer nördlich der Unstrut, passierten die Teilnehmer eine Fläche, auf der im Jahr 2015 mehr als 500 Gruben und 5 m tiefe Schächte dokumentiert und damit erstmals für Thüringen neolithischer Feuersteinbergbau nachgewiesen wurde. Neben Schaufeln aus Schulterblättern von Rindern, einer Geweihhacke und wenigen Kleinfunden entdeckte man auch etwa ein Dutzend menschliche Skelette. Im Bereich der Abbaugruben befand sich darüber hinaus ein Grab der Baalberger Kultur (3.900-3.400 v.Chr.). Hinzu kamen mehrere reich ausgestattete Gräber der Schnurkeramik (2.800-2.300 v.Chr.).

Abb. 2: Vorstandsvorsitzender T. Weber und Museumsleiter E. Brühl berichten von der Forschungsgeschichte des paläolithischen Fundplatzes „Steinrinne“ bei Bilzingsleben.

Einen Höhepunkt bildete der Besuch der Steinrinne bei Bilzingsleben, einen der wichtigsten altpaläolithischen Fundplätze Europas (Abb. 2). Am Rande der ehemaligen Flussterrasse fanden sich neben zahlreichen Resten von Großsäugern auch solche des Homo erectus, einer Art der Gattung Homo welche sich bereits vor etwa 1,9 Millionen Jahren in Afrika entwickelte und in der nachfolgenden Zeit weite Teile Afrikas, Europas und Asiens besiedelte. Die Knochenreste des Homo erectus von Bilzingsleben werden auf ein Alter von etwa 370.000 Jahren datiert. Die Steinrinne selbst ist ein ehemaliger Travertinsteinbruch am Rande des Wippertals. Bereits im 13. Jahrhundert soll hier Kalkstein abgebaut worden sein. Seit 1969 fanden umfangreiche Untersuchungen in den Travertinschichten statt. Seit 2009 ist die Ausgrabungsstätte für Besucher zugänglich.

Abb. 3: Die Teilnehmenden erklimmen den Kohnstein. Kurze Pause am ersten Abschnittswall.

Nach einer sonnigen Mittagspause in Kindelbrück ging die Fahrt weiter zum Wipperdurchbruch bei Günserode. Unmittelbar östlich der Wipper, oberhalb des Steilhangs der Hainleite befinden sich die Reste einer imposanten Wall-Grabenanlage (Abb. 3). Die im Volksmund als Schwedenschanze bezeichnete Burg riegelt den so genannten „Kohnstein“, einen Bergsporn, vom restlichen Plateau ab. Seine Lage an der östlichen Flanke des Wipperdurchbruchs spricht für seine strategisch herausragende Bedeutung. Zahlreiche Metallfunde, welche im 19. Jh. beim Pflügen zu Tage traten – darunter Hals- und Armringe sowie Schwerter – lassen vermuten, dass Teile des Befestigungssystems bereits während der ausgehenden Bronzezeit entstanden. Die bis zu drei Meter hohen Hauptwälle mit vorgelagertem Graben riegeln eine Fläche von etwa 7 ha ab. Über die genaue Entstehungszeit der Gräben und Wälle können bislang keine verbindlichen Aussagen getroffen werden.

Abb. 4: Gebietsreferent O. Kürbis skizziert die einstige Lage des römischen Marschlagers bei Hachelbich.

Etwa einen Kilometer östlich von Hachelbich machte die Exkursionsgruppe einen kurzen Halt am Standort des 2014 entdeckten römischen Marschlagers. Mit der Entdeckung dieser Anlage ließ sich erstmals römische Truppenpräsenz in Mitteldeutschland nachweisen (Abb. 4). Auf Grund der Ergebnisse der geophysikalischer Messungen und Sondagegrabungen kann für das Lager eine Größe von etwa 30 bis 50 ha angenommen werden. Als schwierig gestaltet sich bislang eine historische Einordnung. Anhand von Funden und wenigen Radiokohlenstoffmessungen wird derzeit von einer Anlage in der zweiten Hälfte des 1. bis ersten Hälfte des 3. Jh. ausgegangen.

Abb. 5: Der in seinen Grundzügen romanische Westturm des Klosters Göllingen.

Die letzte Station der Jahresexkursion bildete das ehemalige Klostergelände in Göllingen, nur etwa 5 km östlich von Hachelbich. Bereits gegen Ende des 10. Jh. dürfte auf dem so genannten Michelsberg ein erster Kirchenbau entstanden sein. Im Klosterhof selbst befindet sich heute nur noch der imposante, in seinem oberen Bereich achteckige Westturm (Abb. 5). Anhand der Grabungsergebnisse der letzten Jahrzehnte wurden zudem die Fundamente des Schiffes in ihren Grundzügen als flache Mauer rekonstruiert.

Damit endete die durch und durch gelungene Jahresexkursion 2018. Wir bedanken uns bei allen Mitgliedern für die rege Teilnahme und freuen uns bereits darauf, auch im kommenden Jahr bei sonnigem Frühlingswetter spannende archäologische und historische Stätten zu erkunden.

Text und Fotos: Martin Freudenreich

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