Führung durch die Westfront der Preußenfestung Magdeburg – Ravelin II am 16. März 2019

Abb. 1: Geschützstellung der Festungsanlage

Am Samstag, dem 16. März 2019 stand die Besichtigung der Festungsanlage Ravelin II in Magdeburg auf unserem Programm. Die Anlage gehört zur ziemlich gut erhaltenen Westfront der Festung Magdeburg, wie sie im Zuge der Stadterweiterung nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 entstanden war. Die Festungsanlagen wurden nie benutzt, denn schon 1912 wurde auf Grund der Neuerungen auf  dem Gebiet der Waffentechnik Magdeburgs Festungsstatus aufgehoben.

Die Anlage, einst bestehend aus einer Doppelkaponniere (aus zwei massiven Gewölben bestehende Geschützstellung (Abb. 1) im Hauptgraben (Abb. 2), Hauptwall mit Voll- und Hohltraversen (quer verlaufenden Erdwällen) im Brustwehrbereich, Kehl- und Reverskasematten, Pulvermagazin, Saillantkaponniere, Blockhaus und Poterne ist weitgehend erhalten und sehenswert. So waren der Einladung des rührigen Sanierungsvereins „Ravelin II“ trotz regnerischen Wetters 36 Personen gefolgt, darunter 26 Mitglieder der Gesellschaft. Zunächst erklärte uns Rüdiger Stefanek, der Vorsitzende des Sanierungsvereins, den Aufbau des Festungswerkes..

Abb. 2: Hauptgraben der Festungsanlage

Vom Hof aus gelangte man beidseitig der Kasematte auf Treppen über die Flügelmauern auf den mit Geschütztraversen versehenen Wall. Das Ravelin besaß einen dreieckigen Grundriss. Die Wälle waren von Gräben begrenzt, die an den Hauptgraben mit der krenelierten (mit Schießscharten versehenen) Mauer anschlossen. Zur Doppelkaponniere hin, einst (und jetzt wieder) über eine Zugbrücke zu erreichen, befindet sich im Ravelin II das bogenförmige Kehlkasemattenkorps, das im Armierungsfall zur Mannschaftsunterkunft umfunktioniert werden sollte. Die seitlichen Kriegstore konnten verbarrikadiert werden. Die Reverskasematte sollte im Belagerungsfall auch Mannschaften zur Verteidigung des Ravelins aufnehmen.

Da der Belagerungsfall nie eintrat, diente die Festungsanlage bis 1919 der Artillerie als Ingenieur-Belagerungs-Dep​ot. Zum Werdegang des Ravelins gehören auch dessen verschiedene Nutzungen nach dem I. Weltkrieg – bis 1945 als Werkstatt- und Lagerräume, nach den immensen Zerstörungen der Stadt im II. Weltkrieg noch bis 1968 als Notunterkunft für die ausgebombte Magdeburger Bevölkerung (eine solche Wohnung wurde mit ihrer Inneneinrichtung stilgerecht rekonstruiert) und bis 1982 als Lager und Garagen für Gewerbetreibende..Die Außenfront zum westlich gelegenen Glacis (freien Schussfeld, seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Parkanlage) wurde 1973 durch die Trasse der Stadtautobahn „Magdeburger Ring“ überbaut. Mit der politischen Wende 1990 kam es zu Leerstand, Vandalismus und Verfall. Seit 2015 wird das Gelände ehrenamtlich durch den Sanierungsverein Festungsanlage „Ravelin II“ betreut, der die über 140 Jahre alte Festungsanlage sanieren will, durch Einwerben von Spenden und Fördermitteln. Viel wurde schon erreicht: Wenn man vom Hauptzugang Kavalier V an der Maybachstr. aus stadtseitiger Richtung die die Poterne (den gedeckten Gang zum Ravelin) flankierenden Räume betrifft, gelangt man zunächst in eine Dauerausstellung zur Magdeburger Festungsgeschichte, die sich in der weiter westlich gelegenenen Doppelkaponniere fortsetzt. Das über die Zugbrücke erreichbare Gewölbe der Kehlkaponniere jenseits (westlich) vom Hof dient als Veranstaltungsraum z. B. für die alljährlich stattfindenden Magdeburger Festungstage. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich in diesem stilechten Umfeld neuerdings Theateraufführungen, bei denen das Stück „Der Hauptmann von Köpenick“ gegeben wird. Interessenten finden diese und viele andere Veranstaltungen des Sanierungsvereins im Internet unter www.ravelin2-magdeburg.de oder www.festung-magdeburg.eu.

Text und Fotos: Thomas Weber

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