Hornhausen (Lkr. Börde) im frühen Mittelalter

Abb. 1: Hornhausen, Lkr. Börde. Sog. Reiterstein.

Abb. 1: Hornhausen, Lkr. Börde. Sog. Reiterstein.

Der Fundort Hornhausen (Stadt Oschersleben, Lkr. Börde) erlangte vor allem durch den sogenannten Reiterstein von Hornhausen, einer der bedeutendsten frühmittelalterlichen Steinmetzarbeiten Mitteleuropas, Bekanntheit. Der Stein ist 78 cm hoch, 66 cm breit und zeigt das Bild eines nach links gewandten Reiters, welcher durch seine Bewaffnung mit Lanze, Schild und Schwert als Krieger zu erkennen ist (Abb. 1).
Der Reiterstein gelangte nach seinem Fund auf dem Saalberg, unmittelbar östlich des Ortes Hornhausen, im Jahre 1874 zusammen mit den Fragmenten einiger weiterer Bildsteinplatten im frühen 20. Jahrhundert in den Besitz des Provinzialmuseums für Vorgeschichte in Halle. Dies gab den Anlass zur ersten archäologischen Grabung an der Fundstelle des Reitersteins in den Jahren 1913 und 1914. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Grabungen 1921 und 1925 unter der Leitung Nils Niklassons fortgeführt. Insgesamt wurden 67 west-ost-orientierte Körpergräber des 7. bis 9. Jahrhunderts dokumentiert. In 38,8 % der Gräber fanden sich Beigaben bzw. Trachtbestandteile, wobei eiserne Messer und Schnallen die Mehrheit der Funde ausmachen. Die übrigen Bestattungen waren beigabenlos. Des Weiteren konnten sowohl ein Pferdedoppelgrab als auch eine einzelne Pferdebestattung dokumentiert werden.
Abb. 2: Hornhausen, Lkr. Börde. Körpergräber im Luftbild.

Abb. 2: Hornhausen, Lkr. Börde. Körpergräber im Luftbild.

Luftaufnahmen des Fundortes (Abb. 2) sowie zwei geomagnetische Prospektionen bestätigten die Annahme, dass das gesamte Gräberfeld noch weit größer ist, als der bisher ergrabene Bereich. Mit ca. 300 weiteren Gräbern ist auf dem Saalberg zu rechnen.
Da das spärliche Beigabenspektrum ausschließlich Objekte beinhaltet, welche über Jahrhunderte nahezu unverändert in Gebrauch waren, lassen sich die Funde nicht für eine Feindatierung des Gräberfeldes heranziehen. Aus diesem Grund gab das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr für zwölf Gräber eine 14C-Datierung in Auftrag. Die Ergebnisse zeigten, dass der Bestattungsplatz nicht erst, wie in der Forschung oftmals angenommen, im 8. Jahrhundert belegt wurde, sondern dass die ältesten Gräber bereits der Mitte des 7. Jahrhunderts zugeordnet werden können. In diesem Zeitabschnitt liegen alle drei Pferdebestattungen, welche die bisher ältesten Gräber in Hornhausen darstellen. Auch die Skelette des Doppelgrabes 1/2 (Abb. 3), welches 1913 am Fundort des Reitersteins ausgegraben wurde und zwei Fragmente weiterer Reliefplatten enthielt, datieren in die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts. Der Reiterstein selbst war ursprünglich Teil eines Ensembles mehrerer Bildsteinplatten, welche von Kurt Böhner als Chorschranken einer frühen Kirche gedeutet wurden.
Abb. 3: Hornhausen, Lkr. Börde. Das Doppelgrab 1/2.

Abb. 3: Hornhausen, Lkr. Börde. Das Doppelgrab 1/2.

Durch die Datierung des Doppelgrabes 1/2 konnte somit indirekt ein terminus ante quem für den Reiterstein festgelegt werden. Dieser muss vor der Zerstörung und Niederlegung der Steinplatten entstanden sein und wird nach aktuellem Stand der Forschung in die erste Hälfte des 7. Jahrhunderts datiert.
Grab 16 gibt als jüngstes datiertes Grab (cal AD 772-865) einen Hinweis darauf, dass das Gräberfeld mindestens bis ins späte 8. Jahrhundert belegt wurde und dass eine Weiternutzung bis ins dritte Viertel des 9. Jahrhunderts möglich erscheint.

Text: R. Dietze

Anmerkung: Der Autor hat im Jahr 2014 seine Magisterarbeit über das frühmittelalterliche Gräberfeld von Hornhausen geschrieben. Die AGiSA hat die Anfertigung von Fundzeichnungen im Rahmen dieser Arbeit mit einem Betrag von EUR 500,00 gefördert.

Abbildungsnachweis:
Abb. 1: H. Rempel, Reihengräberfriedhöfe des 8. bis 11. Jahrhunderts aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Dt. Akad. Wiss. Berlin, Schr. Sektion Vor- u. Frühgesch. 20 (Berlin 1966) Taf. 95,3.
Abb. 2: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Abb. 3: K. Böhner, Die Reliefplatten von Hornhausen. Jb. RGZM 23/24, 1976/77 (1982) 96 Abb. 2

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