Jahrestagung und Mitgliederversammlung 2017 in Pretzsch

Die diesjährige Tagung fand vom 31.03. bis 02.04.2017 in Pretzsch, einem Ortsteil von Bad Schmiedeberg statt. Die Tagungsteilnehmer waren komfortabel im Parkhotel Pretzsch untergebracht.

Abb. 1: Schloss Pretzsch (Foto: M. Freudenreich)

Am Freitagnachmittag führte uns Herr Born, ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger mit ausgezeichneter Orts- und Geländekenntnis, vom Parkhotel durch den am Elbdeich gelegenen Park, um das ehemalige Wasserschloß (Abb. 1) und durch die historische Innenstadt von Pretzsch mit ihrer 1561 eingeweihten Kirche. Die Insellage des hochwasserfrei gelegenen Ortes zeichnet ihn als alten Elbübergang aus, der auch Beherbergungsmöglichkeiten bot, um einen günstigen Zeitpunkt für eine Überquerung der morastigen Elbaue abzuwarten. Noch heute sind Reste des Elbebettes unmittelbar am Schloß zu erkennen; der Ort lag bis zur Verlegung des Elbarmes um 1850 unmittelbar am Fluß. Im Schloßpark befinden sich 3 umgesetzte Steinkreuze und bronzezeitliche Hügelgräber.

981 erstmals erwähnt, blickt der Ort auf eine wechselvolle Geschichte. Martin Luther, die Familie Löser und Christiane Eberhardine, die Gemahlin von August dem Starken, Friedrich Wieck, der Vater der Pianistin Clara Schumann und Erwin Strittmatter sind nur einige Persönlichkeiten, die den Ort mit prägten.

Die Mitgliederversammlung am Samstag wurde durch Grußworte der Ortsbürgermeisterin Diana Skowronek eröffnet. Thomas Weber eröffnete die Versammlung und verlas den Jahresbericht. Den Kassenbericht der Schatzmeisterin trug Ines Vahlhaus vor, die Kassenprüfung folgte. Herr Bahn wies darauf hin, eine Arbeitsgruppe Altwege zu gründen, welche sich im Herbst erstmalig treffen will.

Nach einem schmackhaften gemütlichen Mittagessen gab es von 13.00 bis 17.00 Uhr sehr interessante Vorträge, wozu Referenten und Gäste aus der Region herzlich eingeladen waren. Das abwechslungsreiche Vortragsprogramm eröffnete Jürgen Dannenberg, der Landrat des Landkreises Wittenberg, mit Grußworten. Das Vortragsprogramm moderierte unser Vorstandsmitglied Caroline Schulz.

Ganz besonders zu unserem Tagungsort passend, stellte Norma Literski-Henkel (Halle/ Saale) die im Rahmen ihrer Magisterarbeit gewonnenen Erkenntnisse zu 12 Urnengräbern am Osterberg in Pretzsch vor, die der jüngstbronzezeitlichen Lausitzer Kultur entstammen. Das bedeutendste Stück enthielt Grab 7 der Pretzscher Gräbergruppe – ein kleines verziertes Trinkhorn aus Ton, das Teil der Dauerausstellung des Landesmuseums ist. Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Jürgen Kristin (Söllichau) berichtete in einem sehr interessanten Beitrag über eine Spurensuche: Wüste Dorfstätten in der Dübener Heide. Prof. Dr. Louis D. Nebelsick (Poznań, Polen) sprach über die jüngsten Grabungsergebnisse vom Burgwall in Kemberg, einer dendrochronologisch datierten spätbronze-/früheisenzeitlichen Befestigung am Südrand der Wittenberger Elbaue. Sehr spannend waren auch die Ausführungen von Florian Michel (Halle/ Saale) zum spätbronze- und  früheisenzeitlichen Salinenbetrieb am Neuwerk in Halle an der Saale. Im Rahmen seiner Magisterarbeit setzte er sich mit einem reichen Fundinventar der oberhalb der Saale gelegenen Fläche auseinander, das vor allem durch umfangreiche fragmentierte Briquetage die Handelsbeziehungen mit Salz illustriert.

Die Ergebnisse der durch den Förderpreis Archäologie 2016 unterstützten Projekte, wurden im Anschluss vorgestellt.  Thomas Wäsche (Lutherstadt Eisleben) konnte sein publiziertes Buch „Trinkwasser für Eisleben“, welches zum Jubiläum der 150jährigen zentralen Wasserversorgung entstanden war, vorstellen. Die AGISA hatte sich mit einem Zuschuss zu den Druckkosten beteiligt. Elena Revert Francés referierte „Der Tisch ist gedeckt! Kulinarische Gewohnheiten der Aunjetitzer Kultur in Sachsen-Anhalt.“ über die Ergebnisse der Lipidanalysen von Keramikscherben von der Grabung Kleinpaschleben bei Köthen. Gefördert wurde die Finanzierung der Lipidanalysen, die einen kleinen Einblick in die Ernährung der bronzezeitlichen Ernährung gewährten. Reinhard Duckstein und Barbara Fritsch (Magdeburg) berichteten über den archäologisch-historischen Wanderweg Marienborn und stellten das dazu entstandene Faltblatt vor, um künftig Wanderern den Weg zu den lokalen Denkmalen und Sehenswürdigkeiten zu weisen.

Abb. 2: Schloss Reinharz (Foto: C. Uhlmann)

Der Förderpreises Archäologie 2017 wurde an Barbara Fritsch und Stefan Ertmer sowie Lena Güßbacher vergeben. Barbara Fritsch und Stefan Ertmer erhielten eine Förderurkunde zur Erarbeitung eines GIS-erstellten Gesamtplanes von einem Körpergräberfeld des 7.-10. Jahrhunderts in Osterwohle, Altmarkkreis Salzwedel, das 1986-1995 vom Verein Junge Archäologen der Altmark e.V. ausgegraben und dokumentiert wurde. Lena Güßbacher erhielt eine Förderurkunde zur Unterstützung ihrer Arbeit, in der sie das eisenzeitliche Gräberfeld von Randau (Magdeburg) auswertet. Geplant ist die wissenschaftliche Aufarbeitung umfangreichen Fundmaterials von Brand- und Körpergräbern der Jastorfkultur, das bereits vor Jahrzehnten ausgegraben wurde und nun endlich im Rahmen der Dissertation einer systematischen Auswertung zugeführt werden wird. Die neuen Preisträger stellten ihre geplanten Projekte ausführlich vor und wir erwarten mit Spannung die Ergebnisse, welche bei der nächsten Jahrestagung in Sangerhausen vorgestellt werden.

Vor dem Abendessen hatten wir Zeit, das Heimatmuseum in Pretzsch zu besuchen. Die zahlreichen Objekte zur Stadt- und Heimatgeschichte, Volkskunde und zum historischen Handwerk im Museum zeigte uns Herr Dubrau.

Abb 3: Im Schloss Reinharz (Foto: C. Uhlmann)

Schwerpunkt der Busexkursion am Sonntag waren interessante Exkursionsziele in der Dübener Heide, die den meisten Teilnehmern bisher nicht so bekannt waren. Am barocken Wasserschloss in Reinharz wurden wir bereits zu einer beeindruckenden Führung erwartet (Abb. 2). Das zwischen 1690 und 1701 durch den sächsischen Erbmarschall Heinrich Löser errichtete Schloss mit seiner  Umgestaltung des Erdgeschosses im Jahre 1748 im Stil des Dresdner Rokoko wartete mit einer Reihe von kurfürstlichen Porträts, u. a. Christiane Eberhardine (Gemahlin von August dem Starken, Kurfürstin und Königin von Polen) und deren Geschichten auf. Auch der Saal mit Fliesen aus Haarlingen (Kinderspielszenen um 1690) und Rotterdam (Landschaftsmotive) hinterließ bleibende Eindrücke (Abb. 3).

Abb. 4: Christiane Domtera-Schleichardt weiht uns in ihrem Vortrag in die baugeschichtlichen Besonderheiten der romanischen Dorfkirche ein (Foto: A. Weide)

Im Heimatmuseum des Straßendorfes Söllichau, einem Ortsteil von Bad Schmiedeberg, gab es eine kleine Einführung über die Entwicklung des Ortes mit Verweis auf die archäologischen Fundplätze in der unmittelbaren Umgebung durch Jürgen Kristin. Christiane Domtera-Schleichardt weihte uns in ihrem Vortrag in die baugeschichtlichen Besonderheiten der romanischen Dorfkirche ein. Unbedingt sehenswert ist ein evangelischer Beichtstuhl und ein an der Decke hängender absenkbarer Taufengel. Unter der Hufeisenempore und der Försterloge lauschten wir den Klängen der Orgel. Am Ausgang blickten wir noch auf das restaurierte Apostelkreuz. Trotz engem Zeitplan konnten wir auch die Burg Düben mit ihrer wechselvollen Geschichte und die Schiffmühle, ein technisches Denkmal, welches 2002 nach historischem Vorbild erneuert wurde, bestaunen. In Pouch nahmen wir in der Gaststätte „Becherwette“ zum Mittagessen Platz, um in Kemberg die bronzezeitliche Wallburg zu besichtigen, die am Vortage bereits vorgestellt worden war und heute als Friedhof genutzt wird.

Abb. 5: Kanonenfeuer auf der Wartenburg (Foto: C. Uhlmann)

An der Elbe bei Wartenburg gab es durch die ansässigen Vereine eine Einführung in historischen Trachten zur Schlacht von Wartenburg, die in den Dioramen im Museum anschaulich nachgestellt waren. Berühmt wurde der Ort durch die Schlacht bei Wartenburg mit der erfolgreichen Elbüberquerung der preußischen und russischen Truppen unter General Yorck in den Befreiungskriegen am 3. Oktober 1813. Dem General wurde daraufhin der Ehrentitel „Graf von Wartenburg“ verliehen. Zum krönenden Abschluss gab es Kanonenfeuer und historische Zeugnisse der Schlacht und der Zeit zum Anfassen, organisiert vom ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Eckehard (Ecki) Richter (Abb. 5). Auch der alte hölzerne Löschwagen der Feuerwehr konnte noch bestaunt werden.

Die Teilnehmer der Jahrestagung 2017 in Pretzsch (Foto: M. Freudenreich)

Text: Brigitte Schiefer-Kutzschrad und Anna Weide

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