Jahrestagung und Mitgliederversammlung 2014 in Drübeck

Abb. 1: Die ehemalige Klosterkirche von Ilsenburg (Foto: U. Tichatschke).

Abb. 1: Die ehemalige Klosterkirche von Ilsenburg (Foto: U. Tichatschke).

Der erste Programmpunkt am Freitag fand im benachbarten Ilsenburg statt. Die ehemalige Klosteranlage der Benediktiner (Abb. 1) stammt aus dem 11./12. Jahrhundert. Nach der Säkularisation gelangte sie in den Besitz unterschiedlicher Adelslinien (u.a. Grafen zu Stolberg und Stolberg-Wernigerode). Von besonderem Interesse sind heute die unterschiedlichen Säulen im Refektorium und den Kapitelsälen, die indirekten Heizsysteme und in der ehemals drei- und heute zweischiffigen Klosterkirche die Reste des mehrfarbigen Stuckfußbodens aus dem 12. Jahrhundert, die der Bauforscher Frank Högg und der Archäologe Christian Froh M.A. erläuterten.

Auf die Mitgliederversammlung am Samstagvormittag folgte der Vortragsteil (Abb. 2). Zuerst führte der Archäologe des Landkreises Harz, Dr. Oliver Schlegel, unter dem Titel »Zeitreisen-Archäologische Spurensuche im Harzkreis« zu ausgewählten Ausgrabungen der letzten Jahre.

Abb. 2: Die Tagungsteilnehmer vor der Klosterkirche in Drübeck (Foto: I. Vahlhaus).

Abb. 2: Die Tagungsteilnehmer vor der Klosterkirche in Drübeck (Foto: I. Vahlhaus).

Nach dem Mittagessen erläuterte Christian Froh M.A. (Uetersen) unter dem Titel »Die älteste Kirche von Drübeck – neue Untersuchungen am Kloster« die jüngsten archäologischen Forschungen am Tagungsort und führte später auch über das Gelände. Es folgten weitere Tagungsbeiträge mit regionalem Schwerpunkt. Dr. Tobias Gärtner (Regensburg) und Robert Brosch M.A. (Quedlinburg) berichteten über »Aktuelle archäologische Forschungen zur frühen Siedlungsgeschichte der Stadt Quedlinburg« und die Restauratorin Vanessa Sever (Leipzig) über die Analyse und Konservierung eines gefalteten Inschriftentäfelchens (eines mittelalterlichen Bleiamulettes) aus Quedlinburg. Am Ende gab es zwei überregionale Beiträge: Britta Stein MA (Halle) erläuterte »Die Entwicklung der japanischen Archäologie ab 1945« und Olaf Kürbis und Ines Vahlhaus M.A. (beide Halle) berichteten über die Entdeckung eines untertägigen Silexbergbaus in der Nähe von Helfta.

Abb. 3: Das Schiff der ehemaligen Klosterkirche Stötterlingenburg mit maroder Sicherung der Nordwand (Foto: I. Vahlhaus).

Abb. 3: Das Schiff der ehemaligen Klosterkirche Stötterlingenburg mit maroder Sicherung der Nordwand (Foto: I. Vahlhaus).

Am Abend zeigte Andreas Neubert M.A. (Halle) vom »Arbeitskreis Archäologie im Bernburger Land e.V.« die Verwendung des letztjährigen Fördergeldes auf: Mit dem Geld konnten zwei Bodendenkmale, der »Schneiderberg« bei Baalberge und der »Pfingstberg« bei Latdorf, mit erläuternden Informationstafeln bestückt werden. Anschließend erfolgte die Übergabe der Förderurkunden zur »Projektförderung | Archäologie | 2014«, deren Fördergeld zu gleichen Teilen (jeweils 500 €) an zwei Projekte geht: An Robert Dietze für Zeichenarbeiten im Rahmen seiner Magisterarbeit über das frühmittelalterliche Gräberfeld von Hornhausen und an René Wollenweber MA für die Finanzierung von Zeichenarbeiten im Rahmen seines Dissertationsvorhabens »Niederröblingen und Schönebeck (Elbe). Studien zum Früh- und Mittelneolithikum im Mittel-Elbe-Saalegebiet«. Die »Peitschenknaller der Harzer Holzfuhrleute im Harzclub« umrahmten die Veranstaltung.

Der Sonntag war der Busexkursion vorbehalten. Die erste Station war die mittelalterliche Burgruine Stapelburg, die im Jahr 1306 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Eine Interessengemeinschaft kümmert sich seit wenigen Jahren aktiv um die Burg und das Gelände, sodass diese nicht weiter dem Verfall preisgegeben ist. Die nächste Station war die Kirchenruine des ehemaligen Benediktinerinnenkloster Stötterlingenburg (Abb. 3) in einem Ortsteil von Osterwieck-Lüttgenrode. 992 wurde es von Hildeward von Halberstadt gestiftet, drei Jahre später geweiht und 1557 im Rahmen der Reformation aufgelöst.

Abb. 3a: Klosterkirche Sötterlingenburg: Das Kapitell eines ehemaliges Eingangsportals (Foto: T. Weber).

Abb. 3a: Klosterkirche Sötterlingenburg: Das Kapitell eines ehemaliges Eingangsportals (Foto: T. Weber).

Der Turm der Klosterkirche steht heute noch, das Dach ist erneuert und vom Kirchenschiff sind noch Teile der Nordwand und der Apsis im Aufgehenden erhalten. Unter der sachkundigen Führung von Reinhardt Schmitt konnten verschiedene Umbauphasen insbesondere in der Nordmauer nachvollzogen werden, die man u.a. an verbliebenen Torbogen oder Kapitelresten noch erkennen kann (Abb. 3a). Diese muss aus Sicherheitsgründen voraussichtlich noch in diesem Jahr teilweise zurückgebaut werden, um die restlichen Mauern sichern zu können. Nach der Mittagspause führten Michael Räuscher und Herr Thiel durch fünf Jahrhunderte deutsche Fachwerkarchitektur in Osterwieck und anschließend Herr Schönfeld im Nachbarort durch die Räumlichkeiten der Wasserburg Zilly, deren Kern im 14. Jahrhundert als »festes Haus« erbaut wurde. Die letzte Station der Exkursion war der Steinkreis von Darlingerode, bei dem es sich vermutlich um eine ehemalige niedere Gerichtsstätte handelt.

Text: I. Vahlhaus M.A.

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