Busexkursion zu Grabhügeln, Großsteingräbern und Burgwällen in der Umgebung von Halle (Saale) und Köthen anlässlich der Jahrestagung 2016

Abb. 1: Bierhügel bei Salzmünde (Foto: A. Deffner).

Am Sonntag, dem 24. April, endete die Jahres- und Jubiläumstagung 2016 anlässlich des 25jährigen Bestehens der Archäologischen Gesellschaft in Sachsen-Anhalt e.V. mit einer Busexkursion zu ausgewählten prähistorischen und historischen Denkmälern zwischen Halle (Saale) und dem Köthener Land. Trotz der unbeständigen Wetterlage versammelten sich etwa 40 Teilnehmer am Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle um mit dem Bus das nähere Umfeld der Saalestadt und dessen geschichtliche Wurzeln zu erkunden. Zunächst verließ der Reisebus die Stadt nach Westen in Richtung Salzmünde. Etwas oberhalb des Ortes, direkt südlich der bereits seit dem Mittelalter frequentierten Straße nach Klostermansfeld, erreichten die Teilnehmer Station Nummer eins, den so genannten Bierhügel (Abb. 1). Den Kern dieses Denkmals bildet ein länglicher, West-Ost orientierter Grabhügel, dessen zeitliche Stellung bislang nur gemutmaßt werden kann. Den flachen Scheitel des Hügels bekrönt das Bierhügeldenkmal, ein Gedenkstein, den Johann Gottfried Boltze anlässlich eines Besuches des Preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV 1857 errichte ließ.

Abb. 2: Trotz der widrigen Wetterverhältnisse ließ es sich die Exkursionsgruppe nicht nehmen, einen Blick auf die Wallanlage bei Rothenburg a.d. Saale zu erhaschen (Foto: M. Klamm).

Vom Bierhügel aus ging die Fahrt weiter durch das landschaftlich sehr sehenswerte Saaletal über die kleinen Ortschaften Zaschwitz, Trebitz, Kloschwitz, Friedeburg, Georgsburg sowie die Stadt Könnern nach Rothenburg a. d. Saale. Bereits kurz vor Rothenburg machte der April seinem Wesen alle Ehre und überschattete die Exkursion mit Graupelschauer und starken Windböen. Trotz der unangenehmen Wetterlage ließ es sich die Exkursionsgruppe nicht nehmen, die Reste der einst mächtigen Zputinesburg von außerhalb des Busses zu bestaunen (Abb. 2). Die im Jahre 961 erstmals erwähnte, im Kern slawische Burganlage zeigt noch heute, vor allem von der Südostseite aus deutliche Spuren von zwei Vorburgen und einer Zitadelle. Ihre Lage unmittelbar an der Ostseite der Saale, d.h. an der Grenze zum Fränkischen und später zum Heiligen Römischen Reich unterstreicht die herausragende Bedeutung dieser Burganlage während des 8. bis 10. Jahrhunderts. Ihren Untergang erfuhr die Zputinesburg vermutlich Ende des 11. Jahrhunderts im Zuge der Sachsenaufstände.

Abb. 3: Der Schneiderberg in Baalberge (Foto: M. Klamm).

Von Rothenburg führte der Weg zunächst zurück in Richtung Könnern und dann weiter nach Norden an die Fuhne. In dem kleinen Dorf Baalberge wurden die Teilnehmer von zwei Ortsansässigen mit der Forschungsgeschichte des so genannten Schneiderbergs vertraut gemacht (Abb. 3). Dieser 5 ½ Meter hohe und im Durchmesser etwa 40 Meter breite Hügel entstand als Begräbnisstätte mehrerer archäologischer Kulturen über einen Zeitraum von etwa 2.500 Jahren hinweg. Im Zuge eines im Jahr 1901 angelegten Schnittes durch das Zentrum des Schneiderberges konnten ein zentrales Grab der eponymen Baalberger Kultur (3.900-3.400 v. Chr.) sowie Nachbestattungen der Walternienburger (3.300-3.100 v. Chr.), Kugelamphoren- (3.100-2.800 v. Chr.) und Schurkeramikkultur (2.800-2.400 v. Chr.) beobachtet werden. Die äußerste Schicht des Hügels wurde zudem von einigen Steinkisten der späten Bronzezeit (1.300-800 v. Chr.) eingenommen.

Abb. 4: Staunende Blicke auf die rotierenden Räder der 200 Jahre alten Bockwindmühle von Libehna (Foto: M. Klamm).

Mit der dritten Station in Baalberge war die erste Tageshälfte der Exkursion beendet und so folgte ein Zwischenstopp im „Ristorante Fellini“ in Köthen. Trotz des engen Zeitplans blieb allen Teilnehmern ausreichend Zeit, sich mit einer warmen Speise und einem anschließenden Kaffee zu stärken. So ging die Fahrt schließlich weiter durch das Köthener Land und in die Nähe der Ortschaft Libehna. Hier kam die Gruppe einem Phänomen auf die Spur, welches sich in zahlreichen Gegenden Mitteldeutschlands finden lässt: Auf einem alten, bereits stark verschlissenen Grabhügel steht die im Jahr 1814 erbaute Bockwindmühle von Libehna. Dabei ist sie nur eine von insgesamt drei Mühlen in der Umgebung, von denen mindestens eine weitere ebenfalls einen alten Grabhügel bekrönte. Solche künstlich errichteten, exponierten Punkte stellten vor allem in den flachen Gegenden des Köthener Ackerlandes ausgezeichnete Standorte für das Errichten von Windmühlen dar. Unser besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem Bürgerverein „Alte Mühle Libehna e.V.“, welcher der Exkursionsgruppe einen exklusiven Einblick in die Konstruktionsweise und Geschichte des Bauwerks lieferte. Und es mag so manchen Teilnehmer überrascht haben, als sich die Windräder plötzlich in Gang setzten und die Erkenntnis reifte, dass diese Mühle sowohl ein Relikt der Geschichte, als auch ein funktionstüchtiges Werkzeug darstellt (Abb. 4).

Abb. 5: Das „Heidengrab“ in Schortewitz zählt zu den südlichsten Großsteingräbern Mitteldeutschlands (Foto: M. Klamm).

Weiter ging es in Richtung Süden, zurück an die Fuhne und zu einem weiteren bedeutsamen Denkmal der Vorgeschichte. In Schortewitz galt der Zwischenstopp dem Großsteingrab „Heidenberg“, welches zu einer der südlichsten Anlagen dieses Typs zählt (Abb. 5). Das so genannte Ganggrab diente während des ausgehenden 4. und beginnenden 3. Jahrtausends als kollektive Grabstätte. Im Gegensatz zu den hiesigen Vorgängerkulturen bestatteten die Angehörigen der jüngeren Trichterbecherkultur ihre Toten nicht in Einzelgräbern, sondern Grabkammern, welche mitunter über mehrere Generationen hinweg begehbar waren. Das Schortewitzer Heidengrab war ursprünglich von einem Erdhügel bedeckt und wurde 1913 unter der Leitung von Walter Götze freigelegt. Heute können die steinernen Reste der Kammer besichtigt werden und für jeden Steinzeitfan gehört dieses Denkmal sicherlich zu den Highlights der Region.

Abb. 6: Ein erneuter Wetterumbruch ereilte die Gruppe an der slawischen Burganlage in Cösitz (Foto: A. Weide).

Für die letzte Station an diesem geschichtsträchtigen Tag ging es von Schortewitz aus nur einen Ort weiter nach Cösitz. Hier galt das Augenmerk zunächst der außergewöhnlich gut erhaltenen slawischen Wallanlage. Ähnlich wie in Rothenburg zeigte sich auch hier das Wetter zunächst nicht von seiner besten Seite (Abb. 6). Doch das tat dem ganzen natürlich keinen Abbruch und so erfuhren die Teilnehmer etwas über die einstige Bedeutung dieser Sumpfburg. In der Forschung werden die Reste der Wallanlage mit der so genannten „Kesigesburg“ in Verbindung gebracht, der Hauptburg des slawischen Stammes der Coledizi. Über das Jahr 839 wird berichtet, dass ein sächsisches Heer über die Saale gegen den sorbischen Stammesfürsten Timislaw zog und die genannte Burg samt weiterer 11 Kastelle zerstörte. Tatsächlich konnten bei Grabungen an der Cösitzer Wallanlage Spuren von Brandeinwirkung nachgewiesen werden, welche möglicherweise mit kriegerischen Auseinandersetzungen in Verbindung stehen. Trotz alle dem obliegt es weiteren Forschungen die Frage zu klären, ob es sich bei der Cösitzer Anlage tatsächlich um die Kesigesburg handelt.

Abb. 7: Die etwa 200 Jahre alte Blutbuche von Cösitz zählt zu den dicksten Bäumen Deutschlands (Foto: A. Weide).

Den krönenden Abschluss der Exkursion bildete schließlich die Besichtigung des englischen Landschaftsparks, welcher die Burganlage großflächig umschließt und durch seine zahlreichen Pflanzenarten, darunter Urweltmammutbaum und Gingko, besticht. Besonders beeindruckend war der Anblick der etwa 150-200 Jahre alten Blutbuche, welche mit 6,55 Meter Stammumfang zu den dicksten Bäumen Deutschlands zählt (Abb. 7). Mittlerweile hatte sich der Himmel von Wolken befreit und so endete die durchaus gelungene Jahresexkursion bei Sonnenschein und warmen Temperaturen. Auf der anschließenden Rückfahrt nach Halle dürfte so mancher geistiger Rückblick in den Tag der faszinierenden Dichte an geschichtlich bedeutsamen Denkmälern zwischen Halle (Saale) und dem Köthener Land gegolten haben. Die Archäologische Gesellschaft in Sachsen-Anhalt e.V. freut sich auf weitere spannende Exkursionen.

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Ein gelungener Tag – Die Teilnehmer am Ende der Exkursion im Landschaftspark von Cösitz (Foto: A. Deffner).

Text: Martin Freudenreich

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