Exkursion nach Belleben und rund um Gerbstedt

Abb. 1: Ausschnitt des freigelegten Kreisgrabens. Deutlich erkennt man die dunkle Verfärbung gegenüber dem anstehenden Löss (Foto: U. Tichatschke).

Abb. 1: Ausschnitt des freigelegten Kreisgrabens. Deutlich erkennt man die dunkle Verfärbung gegenüber dem anstehenden Löss (Foto: U. Tichatschke).

Am Treffpunkt, der Kreisgrabenanlage „Belleben I“, führte Dr. Oliver Rück von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg nach einer Begrüßung in die bisherigen Ergebnisse der von ihm geleiteten Grabung der Kreisgrabenanlage „Belleben I“ ein.
Anschaulich erläuterte er die topographische Lage der leicht ovalen Anlage der neolithischen Baalberger Kultur mit einem Eingang im Osten. Zum Zeitpunkt der Exkursion waren bereits ¾ der Anlage nicht mehr zu sehen, da in diesem Bereich die Ausgrabungen bereits abgeschlossen waren. Das letzte Viertel war erst begonnen worden; der Oberboden war abgetragen und die Fläche „abgezogen“, so dass die Verfärbungen gut ersichtlich waren (Abb. 1). Befunde wie der Kreisgraben oder die drei „großen Gruben“ im Eingangsbereich wurden meist gegenständig („im Schachbrettmuster“) ausgegraben. Einige Strukturen, z.B. erkannte Störungen, wurden zuerst negativ ausgegraben.

Abb. 2: O. Kürbis erläutert mögliche Deutungen der Figuren und Motive des romanischen Kirchenportals von Heiligenthal (Foto: U. Tichatschke).

Abb. 2: O. Kürbis erläutert mögliche Deutungen der Figuren und Motive des romanischen Kirchenportals von Heiligenthal (Foto: U. Tichatschke).

Nach der Mittagspause in Gerbstedt ging es so zu den weiteren Exkursionszielen der Umgebung. In Heiligental erläuterte Olaf Kürbis das romanische Seitenportal der Kirche mit Figuren und Fabelwesen, die sehr unterschiedlich gedeutet werden (Abb. 2) und wies auf das Mausoleum von Dagobert Schoenfeld hin. Das nächste Ziel war der Burgberg der Bösenburg mit der gotische Kirche St. Michael mit romanischem Turm (Abb. 3), umgeben von dem örtlichen Friedhof mit einigen historisch Grabsteinen. In den 1960er Jahren wurde von Dr. Berthold Schmidt auf dem Burgberg der Bösenburg mehrere Grabungen durchgeführt, um Belege für eine überlieferte thüringische Burg an dieser Stelle finden zu können. Hinweise darauf ergaben sich nicht, dafür wurde eine etwas jüngere mittelalterliche Anlage (8./9.-10. Jh.) entdeckt, die den natürlichen Bergsporn zur Besiedelung und Bestattungszwecken nutzte. Die mittelalterliche Anlage befand sich innerhalb einer weit größeren befestigten Siedlung der späten Bronze- bis frühen Eisenzeit mit den Maßen von ca. 600 m x ca. 250 m (ca. 12 ha). Das sich östlich anschließende Gräberfeld wurde fast vollständig ausgegraben.

Die Gruppe fuhr weiter zum Bauernstein von Adendorf, einem ehemaligen, umgedrehten Taufstein, der heute am Straßenrand neben einer für Bauernsteine typischen Linde steht. Der nächste Halt war an den Kornflaschen von Friedeburgerhütte. Diese unterirdischen Getreidespeicher aus Kupferschlackesteinen mit einem Durchmesser von ca. 5 m und einer Höhe von ca. 9 m dienten bis zur Mitte des 19. Jh. der Gewerkschaft der Mansfelder Berg- und Hüttenleute, durch Großeinkauf und Vorratshaltung Brot oder Brotgetreide zu deutlich günstigeren Preisen als auf dem freien Markt anzubieten.

Abb. 3: Die Kirche St. Michael von auf dem Burgberg von Bösenburg (Foto: U. Tichatschke).

Abb. 3: Die Kirche St. Michael von auf dem Burgberg von Bösenburg (Foto: U. Tichatschke).

Um 1913 wurden sie zum Teil im Zuge des dortigen Lehmabbaues zerstört und 2001 wurden die Reste dreier Kornflaschen saniert.

Der letzte Exkursionspunkt führte uns zur Wenzelskirche von Thaldorf. Im Vorfeld eines Dorferneuerungsprogrammes fanden hier im Jahre 2002 auf dem südlichen Bereich des Thaldorfer Kirchberges Grabungen statt, über die Olaf Kürbis neben einigen Besonderheiten zur Kirche informierte.

Text: I. Vahlhaus

 

 

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